Kas statt Caspar und die Tonkabohnen-Sache
Schnäuzen verträgt sich schlecht mit königlicher Schminke, den einen oder anderen Lachkrampf hält sie aus: Drei Heilige Damen gewährten uns Audienz auf ihrem Zug von Haus zu Haus in Judenburg.

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Und dann war da die Sache mit den Tonkabohnen. Ein duftiges Sammelsurium vom Weihrauch bis zum Kräuterallerlei, welches die Hausherrin herankarrte. Freilich, man bekommt nicht alle Tage königlichen Besuch. "Wir durften aber nur riechen!" zerkugeln sich die drei jungen Damen. Geruchsmäßig gewöhnungsbedürftig ist es ja öfter wo, vor dem Mann mit den acht Katzen gruselte sich Bianca noch dazu: "Der hatte soooo lange Fingernägel!"
Doch was heißt hier Bianca - Ihre Majestät Balthasar, bitte sehr, die mit Karin "Caspar" Baumgartner und Heike "Melchior" Baumgartner dieser Tage von Tür zu Tür zog. Johann Bischof, geschäftsführender Pfarrgemeinderatschef von St. Nikolaus, begleitete die Heiligen Drei, die wir anlässlich ihres Besuches in der Redaktion um Audienz baten. Trotz ihres zarten Alters (elf, zwölf und 13 Jahre) sind sie Vollprofis, weil von Kindesbeinen an dabei. "Man fühlt sich gut, wenn man anderen helfen kann", beschreibt Bianca Nestelbacher die Motivation. Außerdem macht es Spaß, zudem freuen Trinkgeld wie Naschereien.
Die Judenburger Königsroben kleiden prächtig, von blutrot bis golden wallen die Schleppen, bloß die Farbe im Gesicht ("Das Schminken kitzelt so!") verträgt sich schlecht mit ständigem Schnäuzen - tja, die Kälte. Doch der bestens gelaunte Trupp trotzt Wind und Wetter, freut sich über in Cafés kredenzten Kakao und natürlich über die Spenden: "Unser Rekord an einem einzigen Tag waren 1216 Euro und 40 Cent", berichten die Mädchen stolz. Für sie bedeutet es "ein Erfolgserlebnis, jemandem zu helfen, der nicht neben dir sitzt."
Sturmläuten
Gewiss fordern manche respektlos fauchend den Abgang. Und verschlossene Türen trotz Sturmläuten - eine Enttäuschung. Bei wieder anderen ("einige haben Garagen so groß wie für einen Lkw") bleibt das Gefühl, sie hätten tiefer ins Börsel greifen können. Die meisten Menschen aber gewähren nette Aufnahme, stimmen in den kollektiv ausgebrochenen Lachkrampf am besten mit ein.
Johann Bischof lächelt gnädig. "Ja, ich gehe gerne mit ihnen, es ist lustig." Sternsingen, besser als Ferien? Teilweise tatsächlich. Die Eltern freut es, wenn sie einmal allein etwas unternehmen können. Karins Schulkollegen aber teilen die Begeisterung weniger. Sie schauen lieber schief. Vielleicht, weil ihnen etwas entgeht?
Unser königliches Trio jedenfalls ist gewiss nächstes Jahr wieder dabei. "Ich bin sicher der Caspar, den geb' ich nicht her", ruft Karin. C+M+B werden sie wieder an Haustüren schreiben. Stichwort für eine weitere Anekdote: Nein, das heiße nicht Christus mansionem benedicat, sondern "Kas, Milch und Butter", wie ein schelmischer Bauer erklärte. Vielleicht war er hungrig. So wie die Heiligen Drei, für die mittags in Gasthäusern oder privat gekocht wird. Sie schwärmen von jener Frau, die stets Schnitzel und eine Nachspeise mit Eis auftischt. Aber keine Tonkabohnen.
Features
Hilfe unter einem guten Stern
Die Dreikönigsaktion "Hilfe unter gutem Stern" sammelt heuer für die Ureinwohner Indiens. Ihre selbstständige Versorgung, Ernährung, Gesundheit und Rechte sind durch ungehemmte Industrialisierung massiv bedroht.
Auch im Murtal waren dieser Tage die Sternsinger wieder unterwegs, um Hilfe zu erbitten und Segen für das Jahr zu bringen.
In der Pfarre Judenburg St. Nikolaus zogen 13 Gruppen los, den heutigen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche gestalten die jungen Leute mit. Unter den zwölf Gruppen der Pfarre St. Magdalena sind etliche Erwachsene, die im Ausland berufstätig sind und extra zum Sternsingen in die Heimat reisen. Die Heilige Messe heute beginnt um 9 Uhr.
15 Gruppen ziehen in die Stadtpfarrkirche Knittelfeld ein (10 Uhr), gar 24 Dreikönigsgruppen haben sich in der Pfarre Murau beteiligt. Als Sternträger dabei: Stadtpfarrer Anton Herk-Pickl.
Spendenkonto: Raiffeisenlandesbank Stmk., Konto-Nr. 304.501.








