Streit um sagenhafte Königsstadt Noreia bei Mühlen
Grazer Archäologin bestreitet Existenz der geheimnisvollen Keltenstadt Noreia bei Mühlen. Laut ihrem neusten Buch gab es dort nur eine mittelalterliche Stadt.

Foto © Sonja HaiderArchäologin Karin Haas-Trummer
Rund 35 Menschen leben derzeit in Noreia. Der kleine Ort liegt gleich hinter Mühlen, versteckt zwischen hügeliger Landschaft und umringt von hohen Bäumen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, betrachtet man die Bauernhäuser, die Kirche und den Pfarrhof. Den Namen Noreia bekam der Ort in den 30er-Jahren aufgrund intensiver Ausgrabungen des Landesarchäologen Walter Schmid, der glaubte, dort die keltische Königstadt Noreia gefunden zu haben.
Name zu Unrecht. Laut neuesten Forschungsergebnissen der Grazer Archäologin Karin Haas-Trummer scheint die Geschichte jedoch falsch geschrieben zu sein. "Hier gab es nie eine keltische Siedlung", ist Haas-Trummer überzeugt. "Ich erforsche seit 14 Jahren die sagenumwobene Geschichte von Noreia und es ist nun klar, dass dieser Ort diesen Namen völlig zu Unrecht trägt. Es gab hier nur eine mittelalterliche Siedlung", meint Haas-Trummer.
Mißverständnis. So scheint es, dass die Geschichte von Noreia auf einem Missverständnis fußt. Walter Pogatschnigg, der Leiter des hiesigen Keltenmuseums, meint dazu: "Ich gebe Frau Trummer in vielen Punkten Recht, doch habe ich von bereits verstorbenen Leuten gehört, Schmid hätte keltische Fundstücke gefunden und zur Ansicht öffentlich präsentiert." Doch die Fundstücke sind nicht mehr auffindbar. Pogatschnigg: "Diese Stücke müssen irgendwo in Graz sein. Eventuell im Landesmuseum." Diesem Gerücht hält Trummer entgegen: "Ich habe Schmids Fundstücke nie gesehen." Es gibt nur einen winzigen Fund aus der Keltenzeit, der im Museum ausgestellt ist: zwei kleine Gesteinbröckchen.
Sagenhaft. In der Causa Noreia meldet sich jedoch auch Ilse Kogler, eine ehemalige Bewohnerin von Noreia, zu Wort: "Ich bin mir sicher, dass Noreia die sagenhafte Keltenstadt ist. Schmids Forschungen waren auf diesem Gebiet richtig", so die Wahlwienerin. "Laut der Tabula Peutingeriana, einer alten römischen Straßenkarte, ist Noreia genau dort eingezeichnet, wo Schmid es gefunden hat. Da gibt es keinen Zweifel", so Kogler.
Mittelalterliche Siedlung. Als Beweis für die mittelalterliche Siedlung hingegen nennt Karin Haas-Trummer den Pfarrhof: "Dieser Bau stammt aus der Romanik, wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert", ist sie überzeugt. Betritt man das Gebäude selbst, ist es unmöglich zu leugnen, dass der Pfarrhof durch und durch der romanischen Bauweise entspricht. "Die Bewohner wollen nicht wahrhaben, dass sie nicht im keltischen Noreia wohnen", so Haas-Trummer. "Man kann mit ihnen nicht darüber sprechen."
Entmutigt. Auch Walter Pogatschnigg wirkt angesichts der neuesten Forschungsergebnisse von Haas-Trummer etwas entmutigt: "Bei Führungen durch den Ort erzähle ich immer beide Varianten. Was soll ich denn sonst machen?"
Features
Noreia
Noreia hieß eigentlich St. Margarethen am Silber-








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