Viele stehen vor den Trümmern ihrer Existenz
Tag eins nach dem katastrophalen Unwetter im Raum Oberwölz. Für die Bewohner der Region ist unfassbar, was passiert ist: überflutete Häuser, schlammige Wiesen, kaputte Straßen.

Foto © FF Oberwölz
Das kann man nicht beschreiben." Den Menschen im Wölzertal fehlen die Worte dafür, was sich am Donnerstagabend in ihrer Heimat abgespielt hat. Autos, Mülltonnen, Tischtennisplatten: Nichts blieb auf seinem Platz, die Wassermassen verschlangen einfach alles. Kaputte Brücken und Straßen und diese vielen Häuser, in die - teils meterhoch - das Wasser eingedrungen ist.
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Am Tag danach herrscht allerorts reges Treiben. Jene, die es nicht ganz so hart erwischt hat, greifen den arg Betroffenen unter die Arme. Mit Schaufeln und Scheibtruhen ausgerüstet, bringen sie den Schlamm und die unzähligen zerstörten Sachen aus den Häusern. Der Zusammenhalt ist förmlich zu spüren. "Es ist selbstverständlich, dass wir helfen", sagen etwa Andrea Eichholzer und Karin Simhofer, bevor sie die nächste Fuhr Schlamm aus dem Haus von Bekannten karren. Ob Jung oder Alt: kaum einer, der an diesem Tag nicht Hand anlegt, so gut wie niemand, der nicht von oben bis unten dreckig, schlammig ist. "Die Gummistiefel sind heute in Oberwölz ausverkauft", grinst eine Frau.
Dunkle Wolken
Auch wenn ihnen das Lachen nicht komplett vergangen ist, die Angst vor einem neuen Unwetter war den Bewohnern der Region zu Mittag anzusehen. Immer wieder gehen die Blicke skeptisch Richtung Himmel. Es ist brütend heiß, dunkle Wolken ziehen ins Tal. Dass der Boden keinen Tropfen Wasser mehr aufnehmen könnte, ist offensichtlich.
Keine Wetteränderung: Schwül, lokale Unwetter
Die nächsten Tage sind alle nach demselben Muster gestrickt, prognostiziert Reinhard Prugger von den Meteoexperts in Lienz: vormittags immer viel Sonnenschein, nachmittags sehr schwül, die Temperaturen steigen auf über 30 Grad - und starke Gewitter drohen.
Für die einen bedeutet das wunderschönes Badewetter am Wochenende, das zu Ferienbeginn genau richtig kommt. Für die anderen klingt das nach den letzten Unwettern eher wie eine Drohung. Denn nachmittags werden sich vor allem im Gebirge immer wieder dichte Quellwolken bilden, die lokal zu starken Gewittern führen können.
Zu Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad wird es am Sonntag vor allem im Raum Fürstenfeld, Radkersburg und Leibnitz kommen. Dann drohen aber auch in den flachen Regionen regional sehr begrenzte Gewitter. Im Bergland sind auch wieder punktuelle Unwetter möglich.
Hochsommerlich geht es auch in die neue Woche hinein. Die Temperaturen pendeln sich dann zwischen 25 und 30 Grad ein und bieten herrliches Badewetter. Zwar wird es am Montag anfangs noch viele Wolken geben, die im Laufe des Tages aber der Sonne weichen müssen. Nachmittags kommt es durch die hohen Temperaturen immer wieder zu Gewitterneigung. Vor allem im Bergland wird das Risiko dafür wieder sehr hoch sein.
"Von überall her ist das Wasser geschossen gekommen", versucht die Oberwölzerin Stefanie Prieler die Katastrophe zu beschreiben. Steinmauern habe es einfach weggerissen, der sonst so friedliche Schöttlbach trat über die Ufer, nahm alles mit, was er kriegen konnte.
Ein paar Schritte von Prielers Wohnhaus entfernt gibt es mit normalen Schuhen kein Fortkommen mehr. Ein Mann borgt uns netterweise sein Paar Gummistiefel. Mit den grünen Tretern waten wir teils knietief zu einer Siedlung, die gerade erst entstanden ist. Mehrere junge Pärchen wollten dort heuer noch einziehen. "Ich habe am Wochenende erst die Außenanlage um 6000 Euro hergerichtet", schüttelt ein junger Mann den Kopf. Nichts mehr ist davon zu erkennen. Rund um die fast fertigen Häuser gibt es nur noch Schlamm und Wasser, es entstand regelrecht ein riesiger Teich, aus dem die Gebäude nun ragen. Die nassen Wände in den Wohnräumen zeugen von der Katastrophe, am Freitag noch waren die Keller komplett unter Wasser. Der junge Mann ist sicher: "Man hätte das in dem Ausmaß verhindern können." Denn die Häuslbauer äußerten schon im Vorfeld Bedenken, dass der Baugrund zu tief in einer Senke liegt. Nun hoffen sie auf die vom Land zugesagte finanzielle Hilfe.
Land unter
Nicht nur Oberwölz traf die Katastrophe, in den Nachbargemeinden Winklern, Niederwölz und Oberwölz-Umgebung hieß es auch "Land unter". Aus letzterer Gemeinde stammt die Landwirtfamilie Cecon, die ebenfalls mit Aufräumarbeiten beschäftigt war.
"Heizung, Strom, Kanal. Alles kaputt", sagt Roswitha Cecon. Die Tiere konnten noch gerettet werden, die Wiesen jedoch sind hinüber. "Es bleiben nur noch 20 Prozent Futterfläche", erzählt die Frau. Ihre Gedanken während des Unwetters? "Die Familie in Sicherheit zu bringen", schießt es aus ihr wie aus einer Pistole. Die Gemeinde Niederwölz war vom Unwetter an sich eigentlich nicht betroffen. Durch die Verklausungen stieg der Wölzerbach aber meterhoch, in rund 30 Gebäuden ist der Wohnraum zerstört. So auch bei Harald Trebse. An ein Wohnen in dem Haus, in dem er mit seinen Eltern lebt, ist in den nächsten Monaten nicht zu denken. Wohnzimmer, Küche und Bad sind nur noch Müll. "Meine Mutter musste von der Feuerwehr aus dem Haus geborgen werden", schildert der Niederwölzer die Ereignisse am Katastrophentag. Der Tag, an dem ihm richtig bewusst wurde, dass der Mensch gegen die Natur "null Macht" hat.
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Spenden für die Region
Um den Betroffenen der Unwetterkatastrophe schnellstmöglich zu helfen, wurde auch ein Spendenkonto eingerichtet:
Unter dem Kennwort "Hochwasserkatastrophe Oberwölz" kann gespendet werden.
Kontoinformationen: Raiba - BLZ 38452 Kontonummer 3000007























