AflenzMit Loden und Bändern zur Tasche mit Pfiff

In einem alten Landhaus in Aflenz hat Gitti Gruber ihr Atelier eingerichtet. Dort, im Haus ihrer Großmutter, fertigt sie ihre modernen Dirndltaschen aus Loden und Leinen.

An einer kleinen Tasche arbeitet Gitti Gruber fünf Stunden
An einer kleinen Tasche arbeitet Gitti Gruber fünf Stunden © Melanie Meisenbichler
 

Durch vier kleine Fenster des alten Landhauses fällt die sanfte Nachmittagssonne. In einen stattlichen Balken an der Decke des kleinen Raumes sind die Zahlen 1891 geritzt. „Das lässt die Vermutung zu, dass das Haus, oder zumindest ein Teil davon, schon 1891 errichtet worden ist“, erklärt Gitti Gruber.

Mit viel Gefühl für das alte, dreistöckige Haus hat die lebenslustige Frau genau dort ihr Atelier eingerichtet. „Das ist das Haus meiner Großmutter. So einen Schatz muss man in Ehren halten und etwas Besonderes damit machen. Etwas, dass einem selbst am Herzen liegt“, sagt sie. Seit einem Jahr fertig sie hier im obersteirischen Aflenz ihre Dirndltaschen mit modernem Pfiff und aus Österreich stammenden, traditionellen Stoffen. Dabei sind ihrem Einfallsreichtum kaum Grenzen gesetzt. „Ich habe keine Schneiderlehre absolviert. Ich arbeite in einer Tierarztpraxis. Aber meine Unzulänglichkeiten habe ich mit der Zeit auszumerzen versucht“, lacht Gruber und öffnet einen alten Bauernschrank. Im Inneren verbergen sich ihre Schätze. Stoffballen und Stoffreste in allen erdenklichen Farben kommen zum Vorschein. Genüsslich fährt die zweifache Mutter und Großmutter über die Ballen im Regal und zieht ein Stück grünen Lodens heraus. „Diese Farbe ist perfekt. Daraus werde ich eine meiner kleinen Dirndltaschen zaubern“, erklärt Gruber, die ihre Werkstatt selbst liebevoll als „Zauberkämmerlein“ bezeichnet.

Auf dem Schneidertisch breitet sie das rechteckige Stück Loden aus und betrachtet es nachdenklich. „Ich habe als Teenager zum Nähen angefangen. Nach meinen ersten paar kläglichen Versuchen war mir sofort klar, Textil ist mein Material. Andere singen gerne oder arbeiten gerne mit Holz oder Metall. Mein Element ist der Stoff“, ist Gruber überzeugt.

In meinem Zauberkämmerlein habe ich die besten Ideen. Dann arbeite ich oft bis spät in die Nacht und wundere mich dann, dass es schon so spät ist.

Gitti Gruber

Am anderen Ende des Raumes steht ein langes Sideboard mit vielen glänzenden, weißen Laden. Andächtig öffnet Gruber die dritte Lade und ein Sammelsurium an Bändern in Beerenfarbtönen kommt zum Vorschein. „Jede meiner Taschen ist ein Unikat. Es gibt sie immer nur einmal. Ich versuche immer, die beste Kombination von modernen Einflüssen und traditionellen Stoffen und Mustern zu finden.“ Zielsicher greift Gruber nach einem purpurnen Samtband, einem mit Glasperlen bestickten Band und einem feinen, leuchtend grünen Posamentrie-Band. „Es kommt auf das Zusammenspiel an. Nicht nur das der Bänder und Farben untereinander, sondern auch auf das Dirndl der Trägerin“, erklärt Gruber. Immer wieder werden der Aflenzerin Dirndln in ihr Atelier mitgebracht, um Taschen und Tücher perfekt auf das Gewand abzustimmen. „Die Grüntöne zu kombinieren, ist gar nicht so einfach. Diese Farben beißen sich nämlich schnell“, lässt Gruber wissen.

Die Dirndltasche

Die Materialien, die Gitti Gruber für ihre  handgefertigten Dirndltaschen verwendet,  stammen ausschließlich aus Österreich. Sie  verarbeitet Loden, Leinen, Seide in vielen Farben und zahlreiche bunte Bänder. Um den Taschen den letzten Schliff zu geben, verziert sie die Stoffe durch traditionellen Handdruck.

Weitere Informationen gibt es unter: www.gittigruber.at

Trotz ihrer Routine beim Nähen werden die kleinen Taschen nicht unter fünf Stunden Arbeitszeit fertig. Bei den großen Modellen sitzt Gruber schon einmal bis zu acht Stunden an der Nähmaschine. „Nähen ist für mich keine Arbeit. Es ist vielmehr Meditation und Entspannung. Ab und zu ertappe ich selbst dabei, wie ich nach einem anstrengenden Tag in meinem Atelier stehe, den Bauernschrank öffne und die bunten Stoffballen anschaue oder die Kiste mit meinen Stoffresten einfach so durchwühle“, lacht Gruber und zupft ihren Schal zurecht.

Um sich selbst weiterzuentwickeln, hat Gruber vor einiger Zeit damit begonnen, ihre Stoffe zu bedrucken. Mit hölzernen Modeln druckt sie filigrane Ranken, Blumenwiesen oder abstraktive Motive auf die zarten Leinenstoffe und Bänder. „Das Drucken ermöglicht mir ein faszinierendes Spiel mit Farben. Das ist einfach perfekt für mich.“

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