Das Geröll kannte keine Gnade
Wenn Motocrosser unfreiwillig Flugstunden nehmen: Am Erzberg kamen am Sonntag beim berühmt-berüchtigten "Hare Scramble" nur sieben Fahrer ins Ziel.

Foto © APDreikampf mit Zuschauern: Ohne Hilfe wäre für diesen Fahrer hier Endstation
Der Start des Hare Scramble ist filmreif: Die erste 50er-Reihe geht ab wie eine Rakete. Wasser spritzt, Steine fliegen. Favorit Jonny Walker fliegt auch - über die Piste. Erster Steilhang, erste Erzbergetage, nächster Steilhang, nächste Erzbergetage. Zeit: gefühlte 20 Sekunden. Andere Piloten fliegen weniger elegant: Den ersten zerbröselt es schon auf der Startgeraden. Er kommt fünf Meter vor seiner Maschine zu liegen, humpelt zurück und brettert weiter. Andere fliegen durcheinander und übereinander, werden im Steilhang niedergefahren, etlichen segelt ihr Motorrad um die Ohren. Das Spektakel, das keine Verletzten zu fordern scheint, begeistert dennoch: "Irre, abartig", stöhnt ein Zuschauer.
Dass es durchwegs Hartgesottene sind, die sich für die Teilnahme am Hare Scramble qualifizierten, weiß keiner besser als Pressesprecher Martin Kettner: Er erzählt von zwei Piloten, die mit gebrochenen Mittelfußknochen antreten, und einem jungen Fahrer aus der Dominikanischen Republik, der mit einer gebrochenen Hand fährt, weil er "nicht klein beigeben" will.
Mit Fahrrad und Bus zu den besten Stellen
Entlang der Strecke pilgern die Zuseher zu jenen Stellen, an denen sie sich die spektakulärsten Manöver erhoffen. Sie sind mit Fahrrädern da, drängen sich in den Shuttle-Bussen oder wandern mit ihren Kindern und Hunden. Am Weg zu den ersten sechs Checkpoints, wo sich 413 der 500 Fahrer verabschieden werden, bietet sich stets dasselbe Bild: Fahrergruppen, die warten, bis die Bahn frei ist, weil Kollegen auf der Strecke liegen. Einige werden mit Seilen gezogen, andere schieben ihre Maschinen mit Vollgas über die Kuppe. Im "Zumpferlwald" fliegt der Dreck 20 Meter weit. Manchmal werfen die Maschinen ihre Piloten bockig ab und fahren einige Meter alleine weiter. Ein Fotograf, der am Weg kauert, hat einen Helm auf. "Der Hund ist die Menge, die sich gegenseitig im Weg ist", meint ein Posten, der selbst schon beim Rodeo am Start war.
Walker und dem kleinen Grüppchen an Topfahrern an der Spitze ist niemand im Weg. Zu dem Zeitpunkt, als sich die Hobbyfahrer im "Zumpferlwald" plagen, nehmen sie Kurs aufs Ziel. Und es wird ein neuer Negativrekord: Nur sieben kommen durch. Kurios: Graham Jarvis war erneut Schnellster, wurde jedoch wie im Vorjahr disqualifiziert, weil er einen Streckenteil nicht korrekt passierte.
Walker darf nach 1:42 Stunden über seinen ersten Sieg bei einem Hard-Enduro-Rennen jubeln. Dass der Engländer seinen Beruf als Fenstersetzer bald an den Nagel hängen kann, ist nach diesem Triumph sehr wahrscheinlich. "Er ist die kommende Fahrer-Generation", sagt Kettner. "Er wird schon bald die Szene dominieren", lobt sein Teamchef Julian Stevens. Fenster einbauen müssen dann eben andere.











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