Kein Junglehrer will nach Liezen
Dramatische Situation bei den Volksschulen im obersteirischen Bezirk: Es herrscht ein eklatanter Lehrermangel. Ausfallen darf jetzt niemand mehr. Lösung ist allerdings noch keine in Sicht.

Foto © APDem Bezirk Liezen gehen die Lehrer aus
Schon der Schulanfang heuer im Herbst war im Bezirk Liezen schwierig. Während die Aufregerthemen sonst zu wenige Stunden oder Schüler sind, haperte es diesmal woanders: bei den Lehrern (die Kleine Zeitung berichtete). "Ich war froh, dass wir im letzten Moment für jede Klasse noch jemanden bekommen haben. Seither hat sich die Situation aber dramatisch zugespitzt", sagt Franz Lyssy, Bezirksschulinspektor von Liezen. Vor allem im Volksschulbereich, wo jede Klasse fix einen Pädagogen hat, ist die Lage prekär. "Wenn jemand krank wird oder ausfällt, weiß ich oft nicht, wie wir supplieren sollen. Es gibt schlichtweg niemanden, den man von irgendwo abziehen könnte", so Lyssy. In der Volksschule Wildalpen mussten die Schüler am vergangenen Montag zu Hause bleiben - die Direktorin war erkrankt, Ersatz konnte so schnell keiner gefunden werden. Kritisch ist die Lage aber nicht nur in kleineren Volksschulen, auch Admont oder die Bezirkshauptstadt Liezen sind betroffen. Ein Posten im Bezirk konnte nicht besetzt werden, eine "Bezirkspersonalreserve" springt ein.
Lyssy ist verzweifelt. "Demnächst gehen einige Kolleginnen in Karenz oder nach dem ersten Semester in Pension. Dann kann ich ganze Klassen zu Hause lassen, weil ich niemanden mehr habe", sagt er.
Keiner will nach Liezen
Beim Landesschulrat habe man alle Hebel in Bewegung gesetzt, mehr als 100 Kandidaten wurden persönlich angerufen - vergeblich. Das Paradoxe: Lehreranwärter gäbe es eigentlich genug, insgesamt sind es rund 400 in der Steiermark. Das Problem: Niemand will nach Liezen. Partout nicht. Fast alle wollen im städtischen Bereich unterkommen und lassen sich für den Großraum Graz auf die Warteliste setzen.
"Wenn jemand nicht will, will er nicht und bei der aktuellen Situation bekommt man nach nicht allzu langer Wartezeit auch in seinem Wunschgebiet eine Stelle", sagt Lyssy. Er hält dieses System für falsch. "Eigentlich müsste die ganze Steiermark als Dienstort gelten und junge Pädagogen durch ein Anreizsystem auch einmal zwei Jahre woanders zum Einsatz kommen."
Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz will die Lehrerkrise am kommenden Montag jedenfalls mit den zuständigen Inspektoren besprechen. Denn während es bei den Höheren Schulen immerhin noch infrage kommt, fast fertige Lehramtsstudenten heranzuziehen (siehe Interview), ist bei den Pflichtschulen nicht einmal das möglich.
Denkbare Lösungsmöglichkeiten gäbe es mehrere. Der Landesschulrat hat bereits versucht, in Abstimmung mit dem Bildungsressort des Landes Leute auf der Warteliste mit attraktiveren Sonderverträgen in abgelegenere Gebiete zu locken. Ihnen wurden statt einer einjährigen eine dreijährige Befristung und sicherere Berufsaussichten angeboten. Kein einziger habe, so Landesschulratspräsident Wolfgang Erlitz, das Angebot angenommen. Möglich wäre auch, die Modalitäten der Warteliste zu verändern und so den Druck auf Junglehrer zu erhöhen.
Wunschdenken
Wie man das akute Problem konkret lösen könnte, darüber herrscht - wie in anderen Bundesländern auch - Ratlosigkeit. Ein finanzieller Anreiz kommt jedenfalls nicht infrage. Das Gehaltssystem könne man nicht ändern, das sei auch bei den Landeslehrern Sache des Bundes, heißt es vonseiten des Landes.
Im Bezirk Liezen bleiben derweil mangels genügender Lehrer Dinge wie Teamunterricht mit mehreren Lehrern in Integrationsklassen oder andere Projekte oft Wunschdenken.







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