Hinter den Masken tobt der Geschlechterkampf
In Ebensee sorgte eine Frauen-Glöcklergruppe für Furore. Und auch in der Steiermark sind die Meinungen über Frauen im Brauchtum geteilt.

Foto © Pliem/Archiv
Glöckler, Perchten, Krampus - vermummte Gestalten ziehen durch das Steirerland, meist unerkannt. Dennoch scheint es einen Unterschied zu machen, ob sich hinter der Maske ein Mann oder eine Frau verbirgt - wie der Fall einer Frauen-Glöcklergruppe aus Ebensee gezeigt hat (wir berichteten). Eine Aufregung, die Christine Rigler vom Tourismusverband Wildalpen gut verstehen kann. "Auch bei uns ist der Glöcklerlauf eiserne Männerdomäne." Nur ledigen Männern sei es erlaubt, daran teilzunehmen. Schon die Buben lernen das Brauchtum kennen, damit für Nachwuchs gesorgt ist. "Eine Frau kann ich mir bei diesem eingesessenen Brauch nicht vorstellen." Gemäßigter sieht man die Situation in Stainach. Schon lange würden dort Frauen und Männer gemeinsam als Glöckler laufen, sagt Helmut Maierhofer. Wie auch beim Brauchtumsverein Eggersdorf, deren Mitglieder wegen der traditionellen Masken aus Matrei bekannt sind.
Froh über Damen
Obmann Christian Loder versteht die Diskussion nicht. "Brauchtumsfiguren verschmelzen immer mehr, da laufen Perchten abseits der Raunächte und Krampusse, obwohl der Nikolaustag lange vorbei ist. Außerdem wird es immer schwieriger, eine Läufergruppe aufzustellen. Wir können froh sein, dass Damen bei uns mitmachen." Der Leobener Volkskundler Günther Jontes erinnert daran, dass nicht alle Bräuche in Männerhand waren. "Nur noch sehr selten gibt es in den Tälern rund ums Ennstal die echten Perchten, die von Haus zu Haus ziehen, um zu sehen, ob alles sauber ist. Das waren früher Frauen mit Kopftüchern, die sich die Haare ins Gesicht gestrichen und wild geschrien haben. Heute tun alle so, als wären Perchtenläufe mit Alienmasken und Showbühnen seit jeher reine Männersache." Jontes (siehe Interview) betont, dem Ausschluss der Damenwelt aus dem Brauchtum nichts abgewinnen zu können. Doch überall wollen Frauen offenbar gar nicht dabei sein. "Bei uns würde ein Frau nicht einmal auf die Idee kommen, beim Brauchtumszug mitzulaufen", betont etwa Waltraud Zach, dass es bei den Bad Ausseer Trommelweibern, die rund um den Faschingsdienstag ihr Unwesen treiben, sicher keine Frauen unter den Masken gibt. "Denn man muss ja nicht überall die Emanzipation einführen."
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INTERVIEW
Herr Jontes, bei den Ebenseer Glöcklern gibt es große Aufregung. Ist altes Brauchtum durch die Teilnahme von Frauen tatsächlich gefährdet?
GÜNTHER JONTES: Nein, ganz im Gegenteil. Das zeigt doch, wie lebendig Bräuche heute noch sind.
Sind alte Traditionen grundsätzlich Männerdomänen?
JONTES: Ich würde sagen, es gibt noch ein paar Relikte. Zum Beispiel das Aperschnalzen im Salzburger Raum. Da wecken Männer mit schweren Peitschen die Natur auf. Vieles, was angeblich alt ist, ist aber eigentlich gar nicht so alt. Der gestrige Glöcklerlauf von Stainach zum Beispiel wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg kreiert. Und diese ganzen vom Handel und Hollywood geprägten Veranstaltungen wie Perchtenläufe gibt es auch noch nicht lange.
Wo werden Traditionen besonders gepflegt?
JONTES: Da ist vor allem die Region Ausseerland eine Ausnahme, dort ist man sehr konservativ, sehr männerbezogen. Beim Stammtisch wird gepascht, eine Art In-die-Hände-Klatschen mit Gesang. Auch das Stanzlsingen wird gepflegt und das Tragen von Hüten. Wenn Sie dagegen heute eine Frau mit Hut sehen wollen, müssen Sie nach England zum Pferderennen.
Gibt es etwas, wo Sie selbst der Ansicht sind, es sollte unverändert in Männerhand bleiben?
JONTES: Ich bin gegen solche Ausgrenzungen. Es ist ja nicht einzusehen, warum Frauen keine Masken tragen dürfen oder Glöckler sein sollen. Nur bei den Wiener Sängerknaben würde ich es nicht einsehen, denn hier geht es ja um die Klangfarben von Bubenstimmen.








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