Fünf Monate Regen an einem Tag
Bis zu 45 Liter Regen kamen am Montag in und rund um Graz vom Himmel - so viel wie in der ganzen letzten Trockenzeit. Die Prognose für die kommenden Tage: bis Mittwoch gewittrig, ab Freitag trocken und schön.

Foto © Kanizaj Hundewetter - zumindest für Cady: Er war am Montag mit Frauerl Katharina an der Mur in Graz unterwegs, deren Pegel am Wochenende deutlich anstieg
An die Sintflut erinnerte viele Grazer jener Regen, der Montagnacht auf die Landeshauptstadt herabprasselte. Besonders viel vom kostbaren Nass wurde mit 47,5 Litern in St. Radegund bei Graz gemessen, in Graz-Strassgang waren es noch 36,5 Liter. Schaut man auf den langjährigen Schnitt, ist das enorm: So werden im Juni am Fuße des Schöckels normalerweise 130,9 Liter Niederschlag gemessen, auf einen Tag gerechnet, sind das "nur" 4,36 Liter. In Strassgang liegt der Monatswert bei 117,8 Liter, also 3,93 Liter pro Tag. Wie viel Nass da vom Himmel gekommen ist, macht auch ein Vergleich mit der Trockenperiode, die uns im Frühjahr heimsuchte, noch deutlicher: So regnete es von Ende Oktober bis Ende März in Graz nur 42 Liter pro Quadratmeter, kaum mehr also als diesmal in einer einzigen Nacht!
Entsprechend froh ist man daher in der Landwirtschaft - Sprecherin Rosemarie Wilhelm: "Der Regen war ein wahrer Segen." - und bei der Hydrografischen Abteilung des Landes: "Vor allem im Süden sind die Grundwasserpegel seit der letzten Maiwoche angestiegen", berichtet Barbara Stromberger. Dort waren die Pegelstände während der Trockenperiode auf ihre historischen Tiefstände zugesteuert (Details siehe unten).
Außergewöhnlich sind die Mengen an Wasser für den Meteorologen Friedrich Wölfelmaier (Zamg) aber nicht: "Es hat viel geregnet" - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und auch die Annahme, dass der Juni viel Sonne und wenig Regen zu bieten hat, ist falsch: Ganze 16 Tage - also mehr als der halbe Monat - regnet es durchschnittlich im Juni. Wobei Wölfelmaier einschränkt: "Niederschlag beginnt bei uns bei 0,1 Millimeter - also bei 0,1 Liter pro Quadratmeter."
Dieser Regen fällt dann übrigens deutlich öfter in den Nordstaulagen, also dem Ausseerland, dem Gesäuse rund um Hieflau und dem Mariazellerland. Auch die Niederen Tauern zählen zu den niederschlagsreichen Gebieten. In dieser Hinsicht war der Regen zu Wochenbeginn eine Ausnahme: Gröbming meldete "nur" 12 Liter pro Quadratmeter, Bruck 18 und Aflenz 25 Liter. Meteorologe Wölfelmaier: "Derzeit ziehen Schauerzellen über das Land, die aber nur punktuell viel Regen mit sich bringen." An welchem Ort es tatsächlich abregnet, ist aber meist schwer vorherzusagen: "Dort, wo Petrus will", schmunzelt er.
Die Prognose für die kommenden Tage: bis Mittwoch gewittrig, ab Freitag trocken und schön. Anfang nächster Woche soll das Thermometer sogar auf knapp 30 Grad klettern. Am darauffolgenden Mittwoch dürfte dann die nächste Abkühlung kommen.








