Kultur mit den Beinen vertreten - ein Marsch, hart an der Grenze
400 Kilometer, 40.000 Höhenmeter: Die Regionale10 führt 30 Gemeinden und unerschrockene Wanderer an ihre Grenzen. Das Projekt "Grenzgang", Herzstück des Festivals, wurde in Liezen vorgestellt.

Foto © Hans Kraxner/REGIONALE10Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, sondern auch die der Künstler und Kulturbewegten
Diese Wanderung führt an die Grenzen: Ein Projekt, vielleicht sogar das Herzstück des Kulturfestivals Regionale 10, ist der Grenzgang, eine Tour über Berg und Tal entlang der Außengrenze des Bezirkes. Zu bewältigen sind über 400 Kilometer und 40.000 Höhenmeter. Eingebunden sind 30 "Grenz"gemeinden, die an den Schnittstellen unterschiedlichste Aktionen und Attraktionen planen, und quasi als Staffelholz an die Vertreter der nächsten Gemeinde ein selbst gewähltes Symbol übergeben.
In Weißenbach bei Liezen wird dies zum Beispiel in Flaschen abgefülltes Wasser aus dem Weißenbach sein, "die Flaschen werden mit eigens dafür kreierten Etiketten beklebt", verrät Vizebürgermeisterin Theresia Lackner. Außerdem wird am Ursprung des Baches gefeiert, und zum Afrika-Fest (Verbindung ist der nicht unumstrittene, aber in Weißenbach verehrte Afrikaforscher Hermann Wissmann, der hier seinen Landsitz hatte) werden Gäste aus dem Kongo eintreffen.
Der lange Weg beginnt mit dem ersten Schritt, der am 2. Juni auf dem Schönberg in Altaussee gesetzt wird - Anfang und Ende zugleich, denn am 14. August endet die Grenzerfahrung in Altaussee mit der Veranstaltung "Berge in Flammen", zugleich auch Schlussakkord für die Regionale10.
"Uns geht es vor allem um die rege Beteiligung der Bevölkerung, auch um eine Begegnung der einzelnen Gruppierungen eines Ortes. Die Blasmusikanten treffen die Feuerwehrler, die Fußballer die Literaturrunde. Es geht um das Miteinander, das auch in überschaubaren Gemeinden zunehmend zu kurz kommt", erklärt Hans Fuchs, einer der Hauptorganisatoren dieses Projektes. Stark eingebunden ist jedenfalls in einigen Abschnitten die Bergrettung, denn Alpinerfahrung und die notwendige Ausrüstung sind beim Marsch durch Fels und Gelände unabdingbare Voraussetzung. Das hohe Ziel von Hans Fuchs: "Ich wünsche mir, dass wir insgesamt 3000 bis 4000 Leute auf die Beine bringen."
Aufbauen
Die Kritik, dass die Beiträge in manchen Gemeinden, Strichwort: Alm- und Dorffeste nicht unbedingt bahnbrechend Neues seien, lässt Dietmar Seiler, künstlerischer Leiter der Regionale, nicht gelten: "Wir wollen nicht alles neu erfinden und von außen hineintragen. Wir wollen auf Bestehendem aufbauen, Erneuerungen und Zusätzliches möglich machen, da entwickeln sich tolle Geschichten." Für den Gaishorner Bürgermeister Karl Pusterhofer ist der Grenzgang gar eine "Königsidee", weil die Idee dazu anrege, sich untereinander zu vernetzen und miteinander zu reden. "das ist auch Kultur - Gesprächskultur".
Eingebettet in den Grenzgang ist die Kulturkarawane, die sich die letzten drei Tage (11. bis 14. August) zu Wanderern gesellt. 100 Künstler machen sich Pürgg aus auf durch das Tote Gebirge via Tauplitz und Grundlsee nach Altaussee. Auf dem Weg gibt es an mehreren Stationen Konzerte, Vorträge, Lesungen. Übernachtet wird in Schutzhütten und Zelten der Gepäcktransport wird umweltfreundlich Tragtieren umgehängt.
Der Grenzgang wird von Filmteams begleitet, die Tour kann im Internet tagesaktuell mitverfolgt werden. Für manche mit Sicherheit der bequemere Weg.








