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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2012 um 18:43 UhrKommentare

Das Leben kehrt zurück ins Dorf

Die Hoffnungslosigkeit ist in St. Lorenzen gewichen, die Sorgen um den Wiederaufbau bleiben. Unzählige sind dem Aufruf der Hilfsaktion "Steirer helfen Steirern" gefolgt. Gemeinsam mit dem Roten Kreuz und der Volkshilfe, werden den Opfern 335.805,52 Euro zur Verfügung gestellt.

Am Tag der Katastrophe in St. Lorenzen: Alle packten mit an - und jetzt helfen Sie. Danke!

Foto © HOFFMANNAm Tag der Katastrophe in St. Lorenzen: Alle packten mit an - und jetzt helfen Sie. Danke!

Noch bevor man die Katastrophe sehen konnte, war sie zu riechen. Dieser faulbittere, modrige Geruch, den auch die Mur verströmt, wenn sie nach heftigen Regenfällen zu einem gefährlich braunen Strom anschwillt. Doch die Mur war an jenem Julisamstag in ihrem tiefen Bett geblieben, der Lorenzenbach nicht.

Mit jedem Schritt tiefer hinein in den Ort und in den Morast, der Straßen, Gärten und Wiesen bedeckte, wurde die Zerstörung greifbarer. Ganze Bäume samt Wurzeln, massive Holzpfosten, Dachflächen, Geröll türmten sich meterhoch, zerbeulte Autos streckten die Räder in den Himmel, ragten unter Mauertrümmern hervor. Dorfbewohner trugen ihre verbliebenen Habseligkeiten aus ihren Häusern, die der Strom aus Erde und Wasser nicht weggespült hatte. Andere schaufelten nur stumm vor sich hin, sie wirkten hilflos und verloren vor den Bergen von Schlamm und Gerümpel. Nützliches, Kostbares, Schmuckes, Liebgewonnenes, Harterarbeitetes, Unwiederbringbares - alles lag irgendwo dort unter dem Dreck begraben und war jetzt wertlos.

Unglaublich, diese Welle der Solidarität

Den 21. Juli 2012 werden die Bewohner von St. Lorenzen im Paltental nie vergessen: Eine meterhohe Schlamm- und Gerölllawine wälzte sich durch ihr Dorf. Eingebrannt haben sich die Bilder dieser verheerenden Naturkatastrophe auch in das Gedächtnis der Steirer. Unzählige sind dem Aufruf unserer Hilfsaktion "Steirer helfen Steirern" gefolgt: Nach nur einer Woche waren 141.160,12 Euro auf unserem Spendenkonto eingegangen. Nun, etwa zweieinhalb Wochen später, sind es unglaubliche 208.396,44 Euro - ein Rekordergebnis seit Bestehen unserer Hilfsaktion! Tausende zeigten sich großzügig, es gab sogar Spenden in der Höhe von 1000, 2000 und 5000 Euro. Gemeinsam mit unseren Partnern, dem Roten Kreuz und der Volkshilfe, können wir den Opfern damit 335.805,52 Euro zur Verfügung stellen. Wir danken jedem Einzelnen von Herzen!

Spendenverteilung

Damit die Spenden dorthin gelangen, wo sie wirklich gebraucht werden, formierte sich im Paltental ein Komitee, dem neben den Landtagsabgeordneten Karl Lackner und Ewald Persch unter anderem Vertreter der Hilfsorganisationen, ein Notar, ein Bankdirektor und Verantwortliche regionaler Initiativen angehören. Da aufgrund des Datenschutzes die Namen der Geschädigten nicht zentral erhebbar sind, wird ein Formular erarbeitet, mit dem die Betroffenen Schäden auf Basis des Schadensausweises des Landes geltend machen können. In den nächsten Tagen werden sie über die Details informiert. Die Auszahlung der Spenden soll noch heuer abgeschlossen werden.

Stiller Zorn und Hoffnungslosigkeit hatten die ersten Tage nach der Mure in St. Lorenzen geprägt. Und die bange Frage: "Werden wir je wieder in unseren Häusern wohnen können?" Nun kehrt das Leben in das Dorf zurück. Die Evakuierung wurde am Montag aufgehoben - nachdem Feuerwehrleute aus dem ganzen Bezirk, Soldaten und viele andere Helfer in Tausenden Arbeitsstunden St. Lorenzen wieder halbwegs bewohnbar und sicher gemacht hatten. Noch immer bauen Pioniere Brücken und stützen die Hänge.

Der Bach ist freigebaggert, Politiker haben neue, größere Schutzbauten zugesichert. Die Dorfbewohner sorgen sich jetzt weniger vor der Gefahr von oben, sondern darum, wie sie den Schaden am eigenen Hab und Gut finanzieren können. "Ich muss sicher einen Kredit aufnehmen", erzählt einer. Von der Versicherung sei wenig zu erwarten, die Entschädigung durch den Katastrophenfonds orientiere sich am Zeitwert der zerstörten Güter. "Anschaffen müssen wir aber alles neu . . ."

CHRISTIAN NERAT, MONIKA SCHACHNER, WILFRIED ROMBOLD

Kommentar

BEATE PICHLERVergelt's Gott von BEATE PICHLER

Spendenaktion

Die Spendenaktion für die Opfer der Unwetter läuft weiter. Bitte helfen Sie: "Steirer helfen Steirern", 170.001, BLZ 20815, Steiermärkische Sparkasse, KW: Unwetter (bitte unbedingt angeben!).

Hinweis: Alle Spenden für "Steirer helfen Steirern" sind steuerlich absetzbar.

www.kleinezeitung.at/ steirerhelfen

Foto

Foto © EDER

Bild vergrößernGemeinsam helfen: Andreas Jaklitsch (Rotes Kreuz), Bernd Olbrich (Kleine Zeitung) und Barbara Gross (Volkshilfe) danken für Ihre Spenden - 335.805,52 EuroFoto © EDER

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