Widerstandskraft sichert Überleben
Das Haus wurde geordnet übergeben. Was fehlt, ist das Fundament, zu zementieren mit eisernem Kurs.

Foto © Huemer
Über die Therapie für die Pleitestadt im Wachkoma. So, jetzt ist's vorbei", seufzte ein Mandatar nach der konstituierenden Sitzung des Triebener Gemeinderates Freitag Abend. Auf den Augenblick bezogen, eine richtige Feststellung, umgemünzt auf Gegenwart und Zukunft ein Irrtum: Jetzt geht's erst so richtig los.
War der Fluch vor einem Jahr auch deutlich hörbar - die Einsetzung des Regierungskommissärs war für die Pleitestadt ein Segen. Friedrich Zach hat ganze Arbeit geleistet, diese Erkenntnis hat sich auch bei vielen Triebenern festgesetzt, obwohl sich Zach mit Fokus auf die gähnend leeren Kassen, als notorischer "Nein"-Sager und harter Verhandler einen Namen machte. Nur wenigen war es nicht gegeben, zu erkennen, dass das Herumreißen des Ruders nicht ohne Wellen abgehen kann.
Die neue Gemeindeführung übernimmt ein geordnetes Haus, dem allerdings das Fundament fehlt: Schulden in der Höhe von 28 Millionen Euro, gewaltige Abgänge im laufenden Haushalt, ähnliche Prognosen für die nächsten Jahre und angewiesen auf finanzielle Care-Pakete des Landes steht Trieben nicht festgemauert in der Erde da, sondern gleicht einem Abbruchhaus - wenn auch mit aufgeräumten Zimmern. Medizinern könnte sich die Diagnose des Wachkomas aufdrängen.
Ob die Vitalität zurückkehrt, liegt seit wenigen Stunden in der Verantwortung der neuen Gemeindeführung. Die Therapeuten haben es mit einem schwierigen, zuweilen auch widerspenstigen Patienten zu tun. Die Meinung, das Schlamassel sei eher den Aufdeckern als den Verursachern zuzurechnen, ist noch nicht vollständig ausgeräumt - auch nicht innerhalb der mit Mehrheit regierenden SPÖ.
Anlass zur Hoffnung gibt die junge Crew rund um Bürgermeister Helmut Schöttl, die zum Dialog fähig scheint und sich zu engagiert präsentiert, als sich zu Handlangern degradieren zu lassen. Der Erfolg wird davon abhängen, ob die Sozialdemokraten ausreichend Widerstandskraft gegen stürmische Begehrlichkeiten entfalten und nicht den nächsten Wahltag im Auge haben, sondern versehen mit Scheuklappen, ausschließlich den Sanierungskurs. Die Bevölkerung kann unterstützend mitwirken, in dem der Blick nicht verklärend auf den fetten Jahren kleben bleibt, sondern Einsichten in zwingende Notwendigkeiten entwickelt werden. Für den auf Pump verteilten Speck ist jetzt Zahltag.
Eine besondere Rolle kommt den drei Oppositionsparteien zu. Sie müssen den Spagat zwischen kritischer Kontrolle und konstruktiver Mitarbeit schaffen. Einen Weg finden, zwischen Konfliktfreudigkeit und Konsens.
Die Vergangenheit hat Gräben aufgerissen - innerhalb der Parteien, zwischen den Parteien, die Blessuren mancher Verletzungen sind noch spürbar. Der menschliche Teil der Arbeit besteht darin, wechselweise zur Heilung beizutragen.








