Neue alte Hausherren in bunter Gesellschaft
Noch können die Parteien analysieren und interpretieren, der Ernst des Triebener Lebens beginnt mit der Konstituierung Ende Oktober.

Foto © Kleine Zeitung/Ute GrossOdo Wöhry gratulierte dem "Mister 25 Prozent" der ÖVP, Dieter Harzl
Sonntag, ab 14 Uhr in Trieben: Nach Wahlschluss sammelten sich Kandidaten und Schlachtenbummler im Hauptquartier der Spannung, im Rathaus tröpfelten die einzelnen Sprengelergebnisse ein, aus den Wahllokalen wurden die jeweiligen Parteifreunde mit News versorgt. In den Gesichtern der Genossen machte sich bald erleichterte Zufriedenheit breit - die herben Verluste ließen sich mit dem süßen Überzug der sich abzeichnenden gesicherten absoluten Mehrheit leicht schlucken. Die ehemaligen und künftigen Hausherren präsentierten sich selbstsicher als solche. Während die Spitzenkandidaten und Anhänger der anderen Parteien brav und bescheiden im Foyer der Dinge harrten, gab es für die Roten keine verschlossenen Türen, sie eilten munter in den Büros aus und ein.
Draußen vor der Tür wurden die Journalisten zunehmend unrund, die Verkündung des Endergebnisses ließ auf sich warten, mit dem drohenden Redaktionsschluss im Nacken und geplanten Einstiegen in Nachrichtensendungen tickten die Uhren gefühlt doppelt schnell. Zeit für Beobachtungen aller Art. Bei den tatsächlichen Gewinnern dieser Wahl - ÖVP, FPÖ und Bürgerliste PULT - führte die durchgesickerte Prognose nicht zu Freudentänzen. Nur langsam sickerte die Erkenntnis: Die SPÖ befindet sich in einem historischen Tief, die Oppositionsparteien in der Gesamtheit mit acht Mandaten finden sich für Triebener Verhältnisse in ungeahnten Höhen. Der FPÖ-Kandidat Ronald Spanring
versprühte mit jugendlichem Elan am schnellsten Optimismus: "Wir haben den Einzug wieder geschafft, das ist das Wichtigste. Jetzt starten wir voll durch und bei der nächsten Wahl in fünf Jahren wird's für uns noch bedeutend besser ausschauen."
Karl Zöch von der Bürgerliste PULT träumte ebenfalls von einem anderen Ergebnis, aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht: "Eigentlich müsste hier stehen: Zu diesem tragischen Ereignis kann nicht gepostet werden", schrieb Zöch in einem medien-Blog. Und weiter: "Trieben ist ein extrem eigenartiges (politisches) Biotop; in einer "normalen Gemeinde würde eine Partei, die ein derartiges Desaster anrichtet, fraglos klar abgewählt werden. In einer "normalen" Gemeinde wäre es aber wohl auch gar nicht zu dem Desaster gekommen."
Dieter Harzl, penibler Arbeiter der ÖVP in den vergangenen vier Jahren, hätte sich für seinen Einsatz eine noch höhere Anerkennung erwarten dürfen. Getröstet wurde er von seinen Parteifreunden, an der Spitze von Landtagsabgeordnetem Odo Wöhry: "Du hast sehr viele Anfeindungen aushalten müssen, lieber Dieter, aber du hast dich nicht beirren lassen und bist den Weg konsequent weiter gegangen - zum Wohl von Trieben, auch wenn manche das vielleicht nicht sehen wollen oder können." Seine Partei feierte ihren "Mister 25 Prozent" jedenfalls als Helden. "Wir werden nicht ruhen und rasten und machen dort weiter, wo wir aufgehört haben. Zu tun gibt's genug, wir packen's an." Den Bürgermeister neide er der SPÖ keinesfalls: "Ich hab' immer zu mir gesagt: hoffentlich geht dieser Kelch an mir vorüber. Denn wie es gelingen soll, aus dem Desaster wieder herauszukommen, ist mir ein Rätsel."
Im Sog des Frontkämpfers
Die Sozialdemokraten feierten "ihren" Helmut Schöttl ebenfalls als Helden und Retter in höchster Not. Der Wahlkampf war auf den Spitzenkandidaten zugeschnitten - und der Plan ist aufgegangen, die Verluste sind zwar groß, aber nicht so groß, wie parteiintern befürchtet. Schöttel punktete mit seiner zugänglichen Persönlichkeit, dass er Polizist und Feuerwehrkommandant zugleich ist war für den Vertrauensvorschuss kein Nachteil.
Ende Oktober wird sich der neue Gemeinderat konstituieren, mit der Angelobung des neuen Bürgermeisters ist die Stadt dann wieder auf sich allein gestellt.










