"Unglaublich, wie viel Arbeit dahintersteckt"
Acht Schüler des Gymnasiums Stainach waren diesmal beim Projekt "Schüler machen Zeitung" mit an Bord. Für die jungen Reporter nicht zuletzt eine mühevolle Erfahrung.

Foto © Jürgen FuchsDie Schülergruppe des Gymnasiums Stainach im Newsdesk der Kleinen Zeitung in Graz
Das Thema auf den ersten Blick stinklangweilig. "Das Selbst- und Fremdbild der Jugend. Wem ist denn so was eingefallen?", so die ersten Reaktionen. Bei einer Redaktionssitzung in der Schule rauchten dann aber die Köpfe und schließlich kristallisierte sich eine interessante Idee heraus. "Das Bild, das im Fernsehen von uns Jugendlichen gezeichnet wird, ist ganz sicher nicht realistisch", so die einhellige Meinung der acht jungen Reporter. Sie kommen alle aus der sechsten Klasse des Stainacher Gymnasiums und sind beim Projekt der Kleinen "Schüler machen Zeitung" an Bord. "Formate wie Hilfe, ich bin schwanger, Teenager außer Kontrolle oder abgestürzte Jugendliche in diversen Talksendungen, zeichnen ein viel zu negatives Bild", waren sich die Jugendlichen einig.
Also warum nicht einen Experten fragen, weshalb man im Fernsehen Extremfälle so ins Rampenlicht rückt, während die normale Jugend außen vor bleibt. Mit dem Wiener Hans Mahr, langjähriger Chefredakteur von RTL, war ein profunder Ansprechpartner gefunden. Das Interview wurde telefonisch geführt, Mahr hat sein Büro in Köln und kommt nur auf Stippvisite nach Österreich. Die Schüler sparten im Gespräch nicht mit Kritik. "Ihr dürft das nicht so eng sehen", meinte Mahr irgendwann während des Interviews. Die Schüler rückten von ihrer kritischen Haltung aber nicht wirklich ab. "Die Medien zeichnen ein Bild von uns, das so nicht stimmt." (Seiten 24/25).
"Burn-out" als Jugendlicher
Als zweiten Schwerpunkt fassten die Schüler die Erwartungshaltung Erwachsener an Jugendliche ins Auge. Zum Recherchieren ging's nach Bad Aussee in die Psychosomatik-Klinik. Die leitende Psychologin, Melanie Schatz, nahm sich eine Stunde lang Zeit, um mit den Jugendlichen zu sprechen. "Auch wenn der Druck groß ist, bei Jugendlichen spricht man nicht von Burn-out, weil sich das wieder auswachsen kann", so die Fachfrau. Ihr Tipp, um Stress und Problemen vorzubeugen: Mehr Kommunikation (Seite 23).
Mit einer Fülle von Informationen aus den Recherche-Gesprächen gingen die Schüler ans Formulieren und verbrachten schließlich einen Tag in der Redaktion der Kleinen Zeitung in Graz. Bei der Konferenz mit Blattkritik und Diskussion, ob eine Guillotine als Illustration zum Niedergang der Wirtschaft passend ist, mischten die Schüler mit. Ihre Meinung: "Ja, das passt."
Danach lernten die Schüler Journalisten-Weisheiten aus eigener Erfahrung kennen: Kurz schreiben ist schwieriger, als lange Texte abzulaichen. Für einen guten Titel kann man fast so viel Zeit brauchen, wie für die übrige Story. Ein Kommentar braucht eine möglichst geniale Idee und viel Zeit. Einer muss sich plagen - entweder der Verfasser oder der Leser.
"Fast unglaublich, wie viel Arbeit hinter einer Zeitung steckt, die man tags darauf schnell durchblättert", stöhnten die Schüler. "Wir lesen ab jetzt jedenfalls mit anderen Augen."








