Unsichtbare Nachbarn von Max Mustermann
Der Liezener Sozialverein Avalon macht seit fünf Jahren jene sichtbar, die im Dunkel stehen. Gegenwelten zur heilen Welt gibt es auch am Land.

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Mit Max Mustermann, dem Durchschnittsösterreicher mit Bausparvertrag und Eigenheim, haben die Klienten von Avalon wenig gemeinsam. "Ein Durchschnittsklient von Avalon ist 31 Jahre, männlich, ledig, hat keine Kinder, ist bereits seit längerer Zeit arbeitslos, lebt hauptsächlich von Transferleistungen, weswegen er häufig als Sozialschmarotzer gesehen wird. Er hat, so wie Max Mustermann, ein Mobiltelefon, wechselt aber häufig den Anbieter, weil er die Rechnungen nicht bezahlen kann" - Angelika Beer, Geschäftsführerin des Vereins, weiß, wovon sie spricht. Und: "Unser Durchschnittsklient hat ein dreifach höheres Risiko, an der so genannten Managerkrankheit zu leiden, denn der tägliche Überlebenskampf erzeugt enormen Stress."
Vor fünf Jahren wurde der Verein gegründet, ursprünglich zur Betreuung von Jugendlichen. Mittlerweile wurde das Angebot aber dem Bedarf angepasst und für Erwachsene erweitert. Drei Bereiche werden derzeit abgedeckt: Bei der Jugendwohlfahrt erfolgt die Zuweisung der Jugendlichen über die Bezirkshauptmannschaft, geleistet werden Erziehungshilfe und mobil betreutes Wohnen. Zweiter Baustein ist Streetwork samt einer Notschlafstelle für Jugendliche im Alter zwischen 14 und 25 Jahren - übrigens die einzige dieser Art außerhalb von Graz. Das dritte Angebot, "Soziale Integration und Wohnen", richtet sich an Erwachsene und ist eine Anlaufstelle für Menschen, die von Armut, Wohnungslosigkeit oder Lebenskrisen betroffen sind.
"Armut gibt es auch in ländlichen Bereichen, auch Obdachlosigkeit. Dazu kommt die besondere Situation, dass am Land die Mobilität eingeschränkt ist und die Scheu, Hilfe in Anspruch zu nehmen, noch größer ist", weiß Beer aus der täglichen Praxis. Ziel der Betreuung sei nicht nur die Existenzsicherung, sondern auch soziale Integration und die Entwicklung neuer Perspektiven, um das Leben wieder aktiv gestalten zu können.
Einer, der dem Team des Vereins und der Arbeit beim Fest im Liezener Kulturhaus Rosen streute, ist Klaus Peter Ederer, Suchtkoordinator des Landes, der in sein Lob auch den Sozialhilfeverband Liezen einbezog: "Das ist ein vorbildlicher Verband, der den Verein von Anfang an unterstützt hat."
Die Unterstützung ist eine ideelle und finanzielle, wobei Christian Danner, Stainacher Bürgermeister und gestern als Vetrtreter des Sozialhilfeverbandes dabei, einräumte, dass es am Anfang Skepsis gegeben habe. "Streetwork war uns nicht so geläufig und wir mussten lernen, dass es sich dabei nicht um den Bauhof handelt. Wir waren nicht so überzeugt, dass Jugendarbeit auf diese Weise funktionieren kann." Heute bezeichnet Danner Avalon als "Vorzeigemodell".
Für Freude sorgte SP-LAbg. Ewald Persch mit seiner Ankündigung, dass es weiter Geld vom Land geben werde. Jakob Kabas, Obmann des Sozialhilfeverbandes, brachte es auf den Punkt: "Eine Kürzung von 25 Prozent kann im Sozialbereich eine Kürzung um 100 Prozent bedeuten."







