Verstimmung in Schladming
Mit der Drohung, Schladming den Nachtslalom wegzunehmen, eskalierte der Konflikt zwischen dem WM-Ort und ÖSV-Chef Schröcksnadel. Die Chronologie einer Verstimmung.

Foto © PLANAI | Hofrichter-Ritter Der Skispitz sollte ein Wahrzeichen werden. Schladming wollte ihn nicht und setzte sich durch
Die Ski-Weltmeisterschaft 2013 in Schladming ist eine Herzensangelegenheit. Klarerweise nicht nur für ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der die wohl letzte Heim-WM seiner Amtszeit zu selbiger erklärte. Aber für ihn ganz besonders. Insider sprechen von einer taktischen Meisterleistung, mit der er die WM nach Schladming gelotst hat, und davon, dass Schröcksnadel dafür seinen Platz im Vorstand der FIS geopfert habe.
Mit Schröcksnadels Versprechen, Schladming seine ganze Kraft zu widmen, ging es an die Arbeit und an die Planung für ein WM-Stadion. Das modernste Skistadion der Welt sollte es werden, an die zehn Millionen Euro teuer und mit einer fast 20 Meter hohen Skispitze als neues Wahrzeichen von Schladming. Letztere war die Idee von Schröcksnadel. Im Herbst 2008 präsentiert, war das Lieblingsprojekt des ÖSV-Chefs kein halbes Jahr später schon Geschichte. Nicht zuletzt, weil Schladmings Bürgermeister Jürgen Winter vehement dagegen Stellung bezog. Schladming setzte sich durch, die Fronten waren verhärtet und Schröcksnadel - dem Vernehmen nach - verstimmt.
Rüde Abfuhr
Richtig Fahrt aufgenommen hat der Konflikt mit dem Weltcupfinale im heurigen Frühjahr - und das, obwohl (oder weil) der WM-Generalprobe bei Kaiserwetter ein riesiger Erfolg beschieden war. Während im Stadion Tausende jubelten, gärte es hinter den Kulissen. Schröcksnadel forderte den Abriss einer Betonspange am Planet Planai, um Platz für mehr (zahlende) Gäste zu schaffen. Planai-Chef Ernst Trummer und Bürgermeister Jürgen Winter erteilten diesem Wunsch eine rüde Abfuhr. Und Peter Schröcksnadel war mehr als nur verstimmt.
Endgültig für die Eskalation der ohnehin gespannten Lage sorgte Post aus Schladming. In einem Brief, der unter anderem von Jürgen Winter und Ernst Trummer unterschrieben war, stellte Schladming Forderungen an den ÖSV. Auch wenn der genaue Inhalt des Schreibens penibel geheim gehalten wird, soll es darin neben dem Abriss der Spange unter anderem um die Rückerstattung der WM-Bewerbungskosten an Schladming und eine Ausfallsentschädigung für die Planai gegangen sein. Dieses Schreiben, bei dem sich die Schladminger Verantwortlichen offenbar auch ziemlich im Ton vergriffen haben dürften, setzte der Geduld des ÖSV-Präsidenten ein jähes Ende.
In Schladming wurde eilig ein Krisengipfel anberaumt, Landeshauptmann Franz Voves und sein Stellvertreter Hermann Schützenhöfer mussten aus Graz anrücken, um den Streit zu schlichten. Hinter verschlossenen Türen soll es dabei ziemlich zur Sache gegangen sein. Unmittelbar danach schüttelte man sich die Hände, wollte von einer Krise nie etwas gewusst haben und lächelte in die Kameras.
Heftig dementiert
Ernst Trummer wirkte unmittelbar nach dem Gespräch übrigens ziemlich angeschlagen. Ob der Eindruck täuschte, war nicht zu eruieren und schien damals auch eher zweitrangig. Vergangene Woche wurde Trummer als Planai-Chef überraschend abberufen. Etwaige Zusammenhänge mit Streitigkeiten rund um die WM werden von allen Beteiligten heftig dementiert. Vor allem von Peter Schröcksnadel. Der sorgte allerdings für den jüngsten Paukenschlag, und der betrifft den Nachtslalom: "Die Austragung wackelt, die Gefahr ist sehr groß, dass Schladming das Rennen verliert."
WM-Kosten: Wieder Ärger mit dem Bund
Als eine Reformpartnerschaft in der Steiermark noch undenkbar erschien, attackierten sich Rot und Schwarz oft gegenseitig wegen der zurückhaltenden Bundesbeteiligung an der Ski-WM in Schladming (Februar 2013). Von "Ignoranz" und "Dilettantismus" war damals die Rede - und ist es bis heute, wenngleich nur hinter vorgehaltener Hand.
Im jüngsten Status-Bericht zur Ski-WM an die Landesregierung sind erneut Budgetstreitigkeiten mit dem Bund nachzulesen. Laut Planai-Angaben ist es von "Dezember 2011 bis heute erneut zu einer Verzögerung der Förderzahlungen in der Höhe von rund 1,4 Mio. Euro gekommen". Zankapfel ist nicht zum ersten Mal das Zielstadion. Geklemmt hat es auch bei anderen Projekten: Erst im Herbst des Vorjahres einigten sich Bund und Land tatsächlich über die Förderungsmodalitäten. So erhält die Planai 11,5 Millionen Euro aus Wien - über Umwege, das Land "tritt in Vorleistung" und erhält die Mittel nachträglich vom Bund zurück. Dabei steckt das Land alleine bereits 23 Millionen Euro für die WM in die Planai-Bahnen.
Vorfinanziert wurden vom Lande auch die WM-Investitionen auf der Reiteralm und am Hauser Kaibling. Für die jeweils 2,8 Millionen Euro aus Wien liegen laut Akt bislang "keine Vereinbarungen mit dem Bund vor".
Schröcksnadel präzisierte damit, was der steirische Skiverbandschef Helmuth Lexer Anfang des Monats bei der Jahreshauptversammlung des WSV Schladming in den Raum gestellt hatte. Lexer selbst sah das Thema im Gespräch mit der Kleinen Zeitung am Dienstag als schon überholt an: "Das hat sich relativiert, weil es da inzwischen eine Personalentscheidung (gemeint war wohl Ernst Trummer , Anmerkung der Redaktion) gegeben hat." Das war noch vor dem Anruf des ÖSV-Präsidenten, der das offenbar grundlegend anders sieht.
Im offiziellen Schladming waren Stellungnahmen rar. Man wolle vermeiden, weiteres Öl ins Feuer zu gießen, hieß es. Schladming hat seine Lektion gelernt.







