"Stallorder gibt es bei uns nicht"
"Jetzt kann ich beruhigt in Österreich herumgehen, ohne dass mich wer lyncht", scherzte Hannes Reichelt bei der Siegerpressekonferenz. Für seinen Teamkollegen Marcel Hirscher hat er nur Lob übrig: "Marcel ist in Beaver Creek auf die Welle aufgesprungen. So eine Welle zu erwischen, davon träumt jeder".

Foto © GEPAHannes Reichelt
Hannes Reichelt war das Zünglein an der Waage am dramatischen Riesentorlauf-Samstag in Schladming. Hätte der Salzburger seine Halbzeitführung ins Ziel gebracht und Marcel Hirscher auf Platz zwei verwiesen, wäre die Situation vor dem abschließenden Slalom am Sonntag nicht so klar für seinen Teamkollegen gewesen. "Jetzt kann ich beruhigt in Österreich herumgehen, ohne dass mich wer lyncht", scherzte Reichelt bei der Siegerpressekonferenz.
Reichelt hat ebenfalls eine bärenstarke Saison hinter sich, in der er auch in der Abfahrt Anschluss an die Weltklasse gefunden hat und in der Endwertung als voraussichtlich Gesamt-Fünfter zweitbester Österreich sein wird. Es habe im Schladming-Riesentorlauf sicher keine Stallorder gegeben, beteuerte Reichelt. Hätte er einen diesbezüglichen Anruf bekommen, was aber bei seinem Trainer Mathias Berthold mit Sicherheit nie der Fall sein werde, hätte er ihn ignoriert.
"Marcels Saison war gewaltig"
Wäre Hirscher "nur" Zweiter geworden, wäre sein Schweizer Weltcup-Hauptrivale Beat Feuz am Sonntag sicher auch im Slalom gestartet. "Ich bin wie immer mein Rennen gefahren und wollte gewinnen. Marcel war einfach schneller", erklärte Reichelt. Der Radstädter gab aber zu, an das dramatische Finale in Bormio 2008 gedacht zu haben, wo Daniel Albrecht seinen Schweizer Landsmann Didier Cuche aus den Top-15 gefahren und ihm selbst damit zum Gewinn des Super-G-Weltcups verholfen hatte.
Auch Reichelt hatte nur Lob für seinen jungen Teamkollegen. "Marcels Saison war gewaltig. Es war wie seinerzeit bei Rudi Nierlich, 'wenn's lauft, dann lauft's'. Marcel ist in Beaver Creek auf die Welle aufgesprungen. So eine Welle zu erwischen, davon träumt jeder", sagte Reichelt.
Auch persönlich würde er seinen Teamkollegen sehr schätzen. "Nach einem Sieg supercool zu sein, ist leicht. Er ist aber auch bei Tiefs super nett und gratuliert dir. Deshalb schätze ich ihn sehr", betonte der aktuelle Vizeweltmeister im Super-G. "Marcel selbst ist bodenständiger als sein ganzes Umfeld."
Reichelt selbst hat trotz seiner 31 Jahre noch genug und auch große Ziele. "Der Abfahrts-Weltcup würde mich reizen." Selbst in der Gesamtwertung könne er mit starken Ergebnissen eine Rolle spielen. "Dazu gehört aber immer auch viel Glück. Und Siege. Und ich habe diese Saison noch nicht gewonnen, also war der Weltcup für mich noch kein Thema."








