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Zuletzt aktualisiert: 04.02.2012 um 18:14 UhrKommentare

Pioniere in Loden, Leder und Wolle

Der Mürzzuschlager Toni Schruf bestieg im Februar 1892 das erste Mal das Stuhleck mit Schiern. Er wurde so ein Pionier, seine Stadt Wiege des Wintersports und Schifahren ein Massenvergnügen.

Teilnehmer der nordischen Spiele 1904

Foto © WINTERSPORTMUSEUM Teilnehmer der nordischen Spiele 1904

Daran hat sich nichts geändert: Toni Schruf und Max Kleinoscheg fror es bei der Erstbesteigung des Stuhlecks am 8. Februar 1892 ordentlich durch. Wer den Gipfel kennt, weiß, wie rau es dort sein kann. "Leider war es so kalt, dass die Schifahrer nur wenige Minuten auf der Spitze bleiben konnten und Unterstand in der völlig verwehten Gustav-Jäger-Hütte suchen mussten", schrieb die Allgemeine Sportzeitung am 20. März 1892.

Der Aufstieg in der klirrenden Februarkälte war eine Pioniertat, damit schrieben Schruf und Kleinoscheg Schigeschichte. Und sie spurten den Weg zur Massenbewegung Schisport. Oben am Gipfel beschlossen sie, den Verband Steirischer Schiläufer zu gründen. Eine nachhaltige Idee, nächstes Jahr bei der WM in Schladming soll dessen 120. Geburtstag gebührend gefeiert werden. Schifahrer gab es 1892 nur vereinzelt. "Aber Schruf war Tourismusmanager. Er hat vor-ausgeschaut und hatte die Vorstellung vor Augen, dass Schifahren ein Breitensport wird", erklärt Barbara Habermann vom Mürzzuschlager Wintersportmuseum. Schruf hatte wohl Mürzzuschlags Berghänge im Blick, als er diese Zukunftsvision hatte. "Und sein Geldbörsel", scherzt Habermann. Denn Schruf war Hotelier in Mürzzuschlag und Besitzer des "Hotel Post".

Wintersportzentrum

Schruf und seine Begleiter, es war auch noch der Brucker Walter Wenderich dabei, gingen mit Holzschiern samt Mehrrohrbindung auf das Stuhleck. Angesichts der Kälte lässt alleine der Gedanke an ihre Kleidung frösteln: Loden, Wolle und Lederschuhe sollten warmhalten. Die Pioniere - obwohl gut situiert - hatten ein äußerst menschliches Problem: "Sie wussten gar nicht, was sie anziehen sollten", erklärt Habermann. So musste das Alltagsgewand herhalten, nach und nach entwickelte sich die Ausrüstung zum Besseren.

Der Pioniergeist blieb nicht ohne Folgen, Mürzzuschlag entwickelte sich zum wichtigen Wintersportzentrum. Toni Schruf soll selbstbewusst gesagt haben: "Davos is Davos, aber Mürzzuschlag is a wos." Unrecht hatte er nicht. Das erste Schiwettlaufen gab es 1893, 1904 nordische Spiele. Habermann: "Dafür wurde eine Sprungschanze gebaut." Die Ganzsteinschanze ist heute die älteste Sprungschanze Österreichs und, mit Mattenschanzen modernisiert, immer noch in Betrieb. Die Olympischen Winterspiele der Arbeiter 1934 waren ein weiterer Höhepunkt.

Heute zeigt das Mürzzuschlager Wintersportmuseum - das weltweit größte dieser Art - die Faszination des Schisports. Das "Nostalschiteam" des Museums präsentiert die Entwicklung des Schisports und hält damit auch die Erinnerung an Schruf lebendig. In historischer Kleidung und mit dem dazupassenden Fahrstil schwingen sich die Mitglieder über die Hänge, treten bei Veranstaltungen auf und bestreiten "Nostalgierennen".

Toni Schruf blieb Visionär, aber nicht alle konnte er mit seiner Leidenschaft anstecken. Es bleibt dahingestellt, ob Mürzzuschlag deshalb nie Davos wurde. Oder keine Sommerrodelbahn hat, obwohl der findige Hotelier in den 1920er-Jahren die erste Sommerrodel baute.

MICHAELA AUER

Fakten

Die Geschichte des Wintersports findet sich im Mürzzuschlager Wintersportmuseum. Das Museum besitzt eine der weltweit größten Sammlungen an Wintersportobjekten.

Die Ausstellung zeigt die Faszination des Wintersports und setzt dabei auf das interaktive Einbinden der Besucher.

www.wintersportmuseum.at

Foto

Foto © WINTERSPORTMUSEUM

Bild vergrößernAbenteuerlich, die "Ausrüstung" der ersten Wintersportler: Max Kleinoscheg und Toni Schruf Foto © WINTERSPORTMUSEUM

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