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Zuletzt aktualisiert: 11.09.2011 um 05:04 UhrKommentare

Die Heimatliebe im Steirergwand

A fesches Dirndl, a knackige Lederhosn: Warum wir Tracht gerne tragen und wie Erzherzog Johann wieder seine Finger im Spiel hatte.

Foto © Kanizaj

Z unächst eine kleine Wörterkunde: "Das Wort Tracht ist volkskundlich nicht belegt, mundartlich hat es lange nicht existiert", erklärt Volkskundler Günther Jontes. Tracht kommt eigentlich von tragen, die Tracht Prügel kennen wir noch heute. Die richtige Bezeichnung für Dirndl und Co. lautet: 's Gwand, oder besser, das Steirergwand.

Trotzdem - was hat es auf sich mit der Faszination um das Steirergwand? "Zentral ist natürlich die Tradition", sagt Monika Primas, Geschäftsführerin der Volkskultur Steiermark, zu der auch das Heimatwerk gehört. "Aber auch die Heimatliebe spielt eine Rolle - ich will zeigen, woher ich bin." Die trachtige Tradition ist aber noch gar nicht so alt. Im 18. Jahrhundert kannte man noch keine bunte Tracht, farbige Stoffe konnte man sich nicht leisten. Erst im 19. Jahrhundert wurde 's Gwand dann auch bunt, gefördert durch den steirischen Mann für alle Fälle: Erzherzog Johann.

Aufsteirern feiert runden Geburtstag

Drei Tage lang wird die 10. Auflage des "Aufsteirerns" in der Landeshauptstadt zelebriert. Und das mit einem zünftig steirischen Programm. Schon am Freitag wird ab 18 Uhr zur großen "Die Pracht der Tracht"-Modenschau am Grazer Hauptplatz geladen. Am Samstag ist die "VolXmusik" am Zug. Ab 13 Uhr wird - traditionell bis modern - ordentlich aufgespielt. Der unschlagbare Höhepunkt folgt aber am Sonntag mit dem "Aufsteirern"-Jubiläum. Die gesamte Innenstadt verwandelt sich für einen Tag in einen riesigen Tanzboden.

"Als der Erzherzog anfing, den Rock des Jägers zu tragen, wurde er bald von allen akzeptiert", sagt Jontes. Mit dem Steirerrock hat der Erzherzog aber nichts Neues erfunden - sondern den Rock der Armee übernommen.

Dass Günther Jontes die Steiermark heute als das "österreichische Trachtenhauptland" bezeichnet, ist aber einem anderen Mann geschuldet: dem ersten steirischen Volkskundler Viktor von Geramb. Er schuf 1913 das steirische Volkskundemuseum und dort 1917 den Vorläufer für das Heimatwerk. "So wurde die steirische Tracht wiederbelebt", sagt Jontes.

Anders sein

Ausseer Dirndl, Leobener Anzug, Schladminger Loden - dass die Steiermark eine so reiche Gwand-Palette hat, liegt daran, dass sich jeder Ort vom anderen unterscheiden will. Auch in der Mode.

"Die Tracht ist einfach passend, egal ob Stadt oder Land, egal ob im Alltag oder zur Hochzeit", erklärt Monika Primas die Trachtenliebe. Dazu kommt auch noch: So ein Dirndl macht eben schön. "Es kleidet die Damen sehr gut", formuliert es Primas, und zwar das ganze Leben hindurch. Das Dirndl sei lebensbegleitend von der Jugend bis ins hohe Alter. Und dabei dürfe das Dirndl auch mit der Mode gehen, kräftige Farben zeigen, einmal lang, aber auch etwas kürzer sein. "Wir wollen ja nicht ewig gestrig sein", sagt Primas für das Heimatwerk. Am liebsten greifen die Steirerinnen aber trotzdem zur einfachsten Variante, dem Leiblkittl. Ein glattes rotes Oberteil, ein geblümtes blaues Unterteil und eine silberne, gestreifte Schürze - hinten gebunden - wäre ein Paradebeispiel eines solchen.

Die Frau macht das Dirndl weiblich - und was tut die Lederhose für den Mann? "Da steht die Jager-Tradition dahinter", sagt Primas. Der Mann als Jäger und Sammler - "aber nur, wenn er ordentliche Wadln hat", lacht Monika Primas.

SONJA SAURUGGER, ANDREA STANITZNIG

Fakten

161,5 Meter - dieses stolze Maß hatte die längste Dirndl-Kette der Steiermark. Der Rekord wurde beim diesjährigen Krapfenkirchtag in Mönichwald aufgestellt.

1917 wurde die "Volkskundliche Verkaufsstelle" im Grazer Volkskundemuseum eröffnet. Der Grundstein für das steirische Heimatwerk war damit gelegt.

269 verschiedene Trachtenvarianten gibt es derzeit in der Steiermark. Durch Abänderungen kommen immer wieder neue dazu.

85.000 Euro kostet die bislang teuerste Lederhose der Welt, die vom Bad Mitterndorfer Christian Wohlmuther entworfen wurde.

4 verschiedene Kategorien gibt es bei den traditionellen Trachten: Alltags-, Sonntags-, Handwebe- und Festtrachten.

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