Entlastung auf "Basis Sparefroh" wird zur Belastung für Familien
Von 180 auf 36 Stunden mit einem Federstrich: Eltern behinderter Kinder sind mit den konkreten Auswirkungen des Sparpaketes konfrontiert. Familienentlastung nur mehr in homöopathischen Dosen.
Mir ist wirklich das Ladl heruntergefallen, wie ich das gesehen habe", beschreibt Hans-Peter Wildling aus Rottenmann den Moment, in dem er gesehen hat, wie wenig Betreuungsleistung seiner Familie mit den behinderten Zwillingen Lukas und Elias künftig zusteht. "Bis jetzt hatten wir pro Kind und Jahr 180 Stunden Familienentlastung, demnächst werden es nur mehr 36 sein - das ist ein Wahnsinn, das ist nur mehr ein Fünftel des bisherigen Ausmaßes."
Vielen Eltern sei überhaupt noch nicht bewusst, was auf sie zukommt, ist Hans-Peter Wildling überzeugt. "Ich habe mir die neuen Listen der Leistungsverordnung angeschaut, daher weiß ich, was uns blüht." Berechnet werden die zuerkannten Stundensätze auf Basis von Pflegestufe und dem Ausmaß der Berufstätigkeit der so genannten Hauptbetreuungsperson. Als diese gilt Lebensgefährtin Evelyn Duhs, Mutter der beiden Buben. Die Hauptschullehrerin arbeitet Teilzeit, unterrichtet 14 Stunden pro Woche - mehr sei aufgrund der zeit- und kräfteraubenden Betreuung der Zwillinge "einfach nicht möglich". Vater Hans Peter, beschäftigt bei der "Lebenshilfe", hat auch lange Teilzeit gearbeitet und erst kürzlich auf Vollzeit aufgestockt. "Jetzt werde ich wieder Stunden reduzieren müssen, sonst kommen wir nicht über die Runden." Evelyn Duhs ergänzt: "Wir brauchen die Familienentlastung großteils dafür, damit wir überhaupt arbeiten gehen können." Wobei die schon bisher notwendigen Teilzeitbeschäftigungen ohnehin teuer zu stehen kommen - nicht nur, dass die Familienkasse aktuell schmäler ist, für die spätere Pension bedeutet das enorme Einbußen. Wobei Hans Peter Wildling ein vom Sparpaket doppelt betroffener sein könnte: "Die Trägervereine werden Leute kündigen müssen, wie es mit meinem Job weitergeht weiß ich derzeit ebenso wenig wie die Kollegen, die alle zittern."
Traurig
Die extreme Reduzierung der Familienentlastung wirkt sich aber nicht nur unmittelbar auf die Eltern aus, sondern auch auf Lukas und Elias. "Ich wär' traurig", sagt Lukas, der die Erwachsenen-Gespräche in Ansätzen durchaus mitbekommt. "Ich will zu Dominik und Kristina" - und meint damit seine beiden Betreuer. Abgesehen von der Gefühlslage bedeute der Wegfall für die 14-Jährigen aber auch noch weniger Abwechslung und fehlende soziale Kontakte. "Kinder wie Lukas und Elias haben keine Freunde, das ist so. Die Betreuer erfüllen hie eine wichtige Funktion", weiß Evelyn Duhs. Mehr Kontakte mit unterschiedlichen Personen heiße auch viel mehr Erfahrungen und ein anderes Umfeld. "Für die Entwicklung ist das enorm wichtig. Und was wollen wir denn als Eltern? Letztendlich das, was alle Eltern wollen: Dass die Kinder glücklich sind und ihr Leben meistern können." Der weitgehende Entfall der Familienentlastung führe zu einer enormen Zusatzbelastung der Eltern. "Ein Burnout hatte ich schon", erzählt die Mutter - zwei behinderte Kinder fordern, nahezu 24 Stunden am Tag.
Empörung
Für Fassungslosigkeit in der Familie sorgte ein Ausspruch von Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser in einem Interview mit einer Monatszeitung. "Wenn ich weiß, dass keine Besserung möglich ist, warum belästige ich ein Kind mit Therapie oder Frühförderung", wurde Schrittwieser zitiert, der diese Aussage auch nicht bestreitet, wenngleich er sie "so nicht gemeint" haben will, wie er mittlerweile öffentlich erklärte. Für Hans Peter Wildling ist diese Aussage "an Inkompetenz und Arroganz nicht zu überbieten. Der Soziallandesrat ist rücktrittsreif". Ohne Förderung wären Lukas und Elias heute nicht so weit, wie sie sind.








