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Zuletzt aktualisiert: 03.09.2010 um 20:24 UhrKommentare

Frauen fühlen sich oft im Stich gelassen

Wie geht es eigentlich jungen Müttern? Antworten auf diese Frage hat das Frauengesundheitszentrum Graz im Rahmen des Projektes "MIA - Mütter in Aktion" gesucht. Eine Bilanz.

Foto © Reuters/Sujet

Das Kinderzimmer ist eingerichtet, in der Kommode stapeln sich Strampler und Babysocken, der Kinderwagen wartet auf die erste Ausfahrt. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, haben die Eltern meist alles geplant und vorbereitet. Nur selbst können sie sich auf das Leben nach der Geburt des Kindes nicht vorbereiten.

Also werden sie am Tag der Geburt in ein Leben zu dritt hineingeworfen, in ein Leben, wo sich alles verändert. Wie geht es jungen Müttern tatsächlich? Haben sie die Unterstützung, die sie in der Phase der Familiengründung brauchen? Wissen sie, wo sie sich Hilfe holen können? Mit diesen Fragen hat sich das Frauengesundheitszentrum Graz (FGZ) im Rahmen des Pilotprojekts "MIA - Mütter in Aktion" in den letzten drei Jahren auseinandergesetzt. Umgesetzt wurde das Programm in drei Rebenlandgemeinden im Bezirk Leibnitz sowie in Rottenmann im Bezirk Liezen.

Eine Perle für Mutter und Kind

Jede Mutter weiß, dass die ersten Monate nach der Geburt nicht immer leicht zu meistern sind. Dass tagtäglich Herausforderungen warten, auf die man nicht vorbereitet ist.

Das Wissen erfahrener Mütter hat sich das Eltern-Kind-Zentrum Graz zunutze gemacht und gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice und dem Verein "SALE" sogenannte "MamaBabyPerlen" ausgebildet. Diese Frauen stehen frischgebackenen Müttern dann zur Seite, wenn sie am meisten Unterstützung brauchen - nämlich in den ersten Wochen nach der Geburt. "Vor allem mit tatkräftiger Unterstützung beim Neustrukturieren des Alltags, bei der Haushaltsführung, bei der Betreuung älterer Geschwisterkinder, bei Erledigungen von Amtswegen oder bei besonderen Situationen wie in Krankheitsfällen zum Beispiel", zählt Angelika Rodler, Obfrau von EKIZ Graz auf. Informationen zu diesem Angebot gibt es unter Tel. (0 31 6) 37 81 40 oder unter www.ekiz-graz.at.

Um mit den Müttern ins Gespräch zu kommen, wurden in beiden Bezirken ein Mal pro Woche Müttercafés veranstaltet. Und an die Türen junger Familien geklopft. "Wir haben in den letzten drei Jahren insgesamt 153 Hausbesuche gemacht", erzählt Brigitte Steingruber vom Frauengesundheitszentrum Graz, die das Projekt leitet. Eingebunden wurde auch die Gemeinde, also Bürgermeister, Gemeinderäte, Kindergartenpädagoginnen, Ärzte und Hebammen. Vor allem in Form von runden Tischen.

Glückliche Mütter hat Steingruber nicht immer getroffen. "Die vielen Gespräche haben ergeben, dass rund 36 Prozent der Mütter in diesen Gemeinden Probleme mit der neuen Situation haben. Viele fühlen sich allein gelassen, vor allem dann, wenn die ersten Probleme auftreten, mit dem Kind oder auch in der Partnerschaft", weiß Steingruber zu berichten.

Offene Ohren

Die Großfamilie auf dem Land? "Auch wenn es diese gibt, heißt das nicht, dass die Mutter in ihrer neuen Rolle unterstützt wird. Viel eher wird Müttern vermittelt, dass sie mit der Situation allein zurechtkommen müssen," erzählt die Projektleiterin. Über Beratungsstellen sind junge Mütter nach wie vor zu wenig informiert. In Rottenmann sind die Probleme andere. Dort sind es vor allem die Mütter mit Migrationshintergrund, die über zu wenig Kontakte klagen. Der Wiedereinstieg in den Beruf und das geringe Angebot an Kinderbetreuungsplätzen sind überall ein Thema.

Eine Bestandsaufnahme über die Situation junger Mütter war nur ein Teil des Projekts. "Unser Ziel ist es jetzt, in diesen Gemeinden Strukturen zu schaffen, die die Gesundheit der Frauen fördert," betont Steingruber. Gelingen kann das aber nur, wenn Mütter soziale Kontakte haben, wenn sie wissen, wo sie Unterstützung erhalten. "Wichtig ist, dass es auf Gemeindeebene eine ganz konkrete Ansprechperson für die Mütter gibt," betont die Projektleiterin.

PETRA PRASCSAICS

Mütter in Aktion

Das Projekt "MIA - Mütter in Aktion" ist ein Pilotprojekt des Frauengesundheitszentrums Graz, finanziert wurde es von der "Gesundheitsplattform Steiermark" und vom "Fonds Gesundes Österreich". www.fgz.co.at

Die Pilotgemeinden waren drei Rebenlandgemeinden im Bezirk Leibnitz mit 30 Geburten im Jahr und Rottenmann im Bezirk Liezen mit ca. 50 Geburten im Jahr und einem Migrationsanteil von zwölf Prozent. Adressen. Eine Liste sämtlicher Beratungseinrichtungen steiermarkweit sowie Infos zu Förderungen, Unterstützung in Krisensituationen etc. gibt es unter folgender Internetadresse: www. zweiundmehr.steiermark.at.

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