Im Dienst der Versöhnung
Jörg Reitmaier aus Rottenmann wird heute zum Auslands(zivil)Diener des Jahres 2009 gekürt. Der 22-Jährige arbeitete in Polen und den USA.

Foto © PrivatWährend seines Dienstes in Polen begleitete Jörg Reitmaier den Wiener Auschwitz-Überlebenden Freddie Knoller und dessen Gattin bei ihrem Besuch vor Ort. Der Gedenkdienst bedeutet für den Rottenmanner "Ehre und Veranwortung"
Auf die Idee, den Zivildienst im Ausland abzuleisten, brachte den HAK-Absolventen seine Deutschprofessorin. "Ich habe das spannend gefunden, also habe ich mir die Sache näher angeschaut und mich dann angemeldet." Der Trägerverein bietet mehrere Sparten an, Jörg Reitmaier hat sich für den Gedenkdienst entschieden, "weil mich Geschichte schon immer interessiert hat". Vier Monate arbeitete er im jüdischen Museum in Auschwitz, betreute dort Besucher aus der ganzen Welt. Die restlichen Monate verbrachte der junge Rottenmanner in Richmond, Virginia, USA. In dem Holocaustmuseum, das ein Überlebender des Nazi-Terrors errichtet hat, war Jörg Reitmaier "quasi Mädchen für alles", übersetzte deutsche Aufzeichnungen und Dokumente, organisierte Veranstaltungen.
Besonders und nachhaltig beeindruckend waren für den 22-Jährigen die Begegnungen mit Überlebenden, die Gespräche mit Zeitzeugen. "Ich habe etwa 50 solcher Menschen kennengelernt - für mich ist das ein unglaublicher Gewinn, diese Begegnungen haben mich geprägt." Wie etwa der Kontakt mit Alexander Lebenstein, einem deutschen Juden, der Verfolgung und Lager überlebt hat und nach dem Krieg nach Amerika ausgewandert ist. "Mittlerweile ist er leider verstorben. Aber auch an seinem Beispiel habe ich gesehen, welchen Stellenwert es für die noch Lebenden hat, wenn sich junge Menschen für sie und ihre Geschichte interessieren. Außerdem hebt dieses Engagement das Ansehen Österreichs."
Jörg Reitmaier engagiert sich bereits seit vier Jahren im Verein "Österreichischer Auslandsdienst", eine wöchentliche Onlinekonferenz für in vielen Ländern der Welt stationierte Mitarbeiter geht auf seine Initiative zurück. Für seinen Jahrgang fungierte er auch als Sprecher der Helfer im Ausland. Für sein Engagement wird er heute in Graz mit dem Titel "Auslandsdiener 2009" feierlich ausgezeichnet. Im Herbst möchte er ein Studium beginnen, aber für ihn ist klar: "Wenn sich's zeitlich irgendwie ausgeht, mache ich weiter."









