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Zuletzt aktualisiert: 16.01.2011 um 05:00 UhrKommentare

Kröll ist jetzt ein echter Klassiker

Als Bub blickte er zu Helmut Höflehner auf und träumte davon, einmal in Wengen oder Kitzbühel zu siegen. Jetzt hat er es getan. Seine Augen glänzten, als er vor Zigtausend Fans in Wengen geehrt wurde.

Klaus Kröll

Foto © ReutersKlaus Kröll

Klaus Kröll war gleich alt wie sein Sohn Tim heute, wohl fast auf den Tag, als die Steiermark die Schi-Welt beherrschte. Vier Jahre zählte Klaus, als in der Doppel-Abfahrt von Wengen Helmut Höflehner am ersten Tag und Peter Wirnsberger am zweiten Tag triumphierten. Zwei steirische Siege bei richtigen Abfahrtsklassikern, das war nie an der Tagesordnung im Schisport.

Klaus bewunderte Höflehner, schließlich lagen dessen Wurzeln in Haus nicht allzu weit weg von denen Krölls, der aus Öblarn kommt. Und irgendwann einmal begann Kröll durchaus davon zu träumen, auch Schifahrer zu werden, ein guter womöglich, ein Abfahrer auf jeden Fall. "Aber bei mir war lange nicht klar, ob ich es wirklich ganz an die Spitze schaffe. Schließlich war ich als Jugendlicher nicht so dominant." Spätestens mit dem Juniorenweltmeister-Titel in der Abfahrt 1999 waren die Weichen aber gestellt.

Kitzbühel und Wengen

Es folgten die weiteren Schritte, das Etablieren im Weltcup, der Traum vom ersten Sieg. Der just in Wengen vor zwei Jahren einen Dämpfer erhielt: Mittelhandknochenbruch in der linken Hand, Kröll musste mit Schiene nach Kitzbühel. Und feierte dort - völlig überraschend - einen Sieg im Super-G, vor den Augen von Freundin Silvia und Sohn Tim; und kurz darauf gewann er in Kvitfjell seine erste Abfahrt.

Zum Seriensieger wurde er aber nicht. Mal zwickte der Körper, mal tüftelte er am Material, erst heuer kehrte er wieder auf die Erfolgsspur zurück; in Bormio war er gar auf dem Weg zum Sieg, ehe er stürzte.

In Wengen schlug er wieder zu. Sohn Tim hatte am Vorabend nach dem letzten Training noch gemahnt, als er die TV-Bilder sah: "Papa, wennst im Rennen so bremst vor dem Ziel, wirst nie gewinnen." Papa nahm es sich zu Herzen. Er erwischte einen Gutteil der mit 4430 Metern längsten Abfahrt im Weltcup optimal - und siegte.

"Ein Traum ist wahr", sagte er dann. Denn trotz des Sieges in Kitzbühel geht für einen Abfahrer eben nichts über die Abfahrt. Seine Augen glänzten am Abend, als er vor Zigtausend Fans in Wengen geehrt wurde. "Wenn du dann bei der Siegerehrung die Hymne hörst, dann weißt du: Du hast es geschafft", sagte er. Die Freunde zu Hause feierten schon, ebenso wie Vater Helmut mit dem Fanklub in Wengen. Und Klaus? Der träumt schon weiter. Vom Abfahrtssieg in Kitzbühel vielleicht.

MICHAEL SCHUEN

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