Chinas starke Frauen ließen Kenner staunen
Wer meint, Gewichte heben sei nur was für Männer, war noch nie beim "Eleiko Austrian Women Grand Prix". In Niederöblarn sah man Top-Leistungen in Serie, fesche Frauen und ein enthusiastisches Publikum.

Foto © GEPAÖsterreichische Gewichteheberin Verena Grundner
Die erste Überraschung gibt es beim fahrbaren Würstelstand vorm Halleneingang: Die Chinesinnen haben hier gegessen. "Die eine ein Kotelett", erklärt der Mann im Wagen, "die andere zwei Bratwürstel." Wie bitte, vor dem Wettkampf?! "Na, Gwicht' ghob'n hom die sicher net", lacht der Würstelmann, während man hört, wie drinnen die Gewichte auf den Boden krachen.
"Eleiko Women Grand Prix". Wir sind zu Gast beim "Eleiko Women Grand Prix" in Niederöblarn, wo OK-Chef Konrad Högg noch am zweiten Bewerbs-Tag rätselt, warum sechs chinesische Weltklasse-Gewichtheberinnen hier antreten: "Noch nie war eine von ihnen außer bei einer WM in Europa am Start, und ich weiß bis jetzt nicht, warum sie bei uns sind." In Niederöblarn weilen übrigens auch sechs chinesische Betreuerinnen, eine von ihnen hat gerade zwei Bratwürste verdrückt.
"Made in China". Wer hebt sonst noch mit? Ein illustres Teilnehmerfeld der Welt- und Europaklasse. Lena Berntsson, die Schwedin beispielsweise, deren Kurzbeschreibung sich so liest: schnell, fesch, stark. Bei der Hallen-WM war sie heuer Elfte - im 60-Meter-Sprint! Übers Aussehen lässt sich normalerweise streiten, in ihrem Fall nicht. Und beim Stoßen wuchtet sie in der Gewichtsklasse bis 58 Kilogramm satte 83 Kilo in die Höhe. Annet Goppold ist auch dabei. Der Saalsprecher kündigt sie so an: "Sie dient ab sofort nicht mehr in der Deutschen Bundeswehr, sondern arbeitet in der Hauskrankenpflege." 102 Kilo stößt die Frau Ex-Soldatin elegant in die Höhe. Romela Begaj hatte OK-Chef Konrad Högg als einziger eine Außenseiterchance eingeräumt: "Im Reißen fordert sie die Chinesinnen, tausendprozentig!". Die Albanerin platziert sich als einzige Europäerin sogar in der Elite "made in China" (Platz zwei bis 58 Kilo). Wacker hält sich auch die deutsche Schwergewichtlerin Kathleen Schöppe: Souveräne 122 Kilo im Stoßen. Die Lokalmatadore Verena Grundner, Claudia Hirz und Johanna Steinberger verbuchen persönliche Achtungserfolge.
103 Kilo aufgelegt. Trotzdem: Alles nichts gegen den Auftritt von Chinas Speerspitze Li Liying: Statt beim Reißen mit 85 Kilo wie die meisten anderen zu eröffnen, lässt sich die Weltcupsiegerin 103 Kilo auflegen. Liyings Kurzbeschreibung: Die Taille ist so schmal wie die Oberarme breit. Die Aufregung wächst in der bummvollen, umgebauten Tennishalle. Die 24-Jährige schafft locker 106 Kilo. "Would you be my girl..." tönt es aus den Lautsprechern. Beim Stoßen ist es "We will rock you" und das Publikum hat vor dem letzten Versuch längst Gabeln, Messer und Gläser abgelegt. Es johlt, klatscht, schreit. Liying packt 128 Kilo und siegt überlegen. Die Kenner haben leuchtende Augen. "Davon träumen in Österreich die 90-Kilo-Herrn", meint ein Vereinsboss, "an Lottosechser und i gib meine Buam den blauen Brief und hol' fünf Chinesinnen." Und was sagt der OK-Chef: "Wer nicht dabei war, ist selbst schuld."








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