Besiegen wollte er die Berge nie
Gerfried Göschl galt als einer der erfolgreichsten heimischen Alpinisten: Er war Abenteurer und Entdecker, Alpinist aus Leidenschaft und mit Bedacht, einer, dessen Ziel immer der Weg war.

Foto © APA/HELMUT LUNGHAMMERGerfried Göschl (39) kehrte aus dem Karakorum nicht mehr zurück
Besiegen, bezwingen - diese Begriffe waren Gerfried Göschl fremd, wenn er über Berge und Gipfel sprach. Der Weg als Ziel, die Faszination der Motor. Ein Berg, ein Aufstieg, will erlebt sein, versuchte er in Erzählungen und Vorträgen den Reiz, das in ihm lodernde Feuer, den Drang nach oben, begreifbar zu machen.
Schneller, höher, weiter, dieser Ehrgeiz und der damit verbundene Ruhm waren es nicht, die den 39-jährigen Alpinisten in dünne Luft lockten. 8000er um 8000er im Run um die Goldene Wandernadel des Extrembergsteigens abzuhaken, war nicht die Sache von Gerfried Göschl, das überließ er leichten Herzens anderen, die er allerdings nie gehässig kritisierte, sondern ihnen das ihre ließ und seines machte. Empören, dann aber deutlich, konnte er sich allerdings über Egoisten, die für ihre Ziele die Menschlichkeit opfern. Im Sommer des Vorjahres organisierte er mit seinem Team die Rettung eines Trägers einer anderen Gruppe, die sich - wie andere anwesende Bergsteiger auch - um das Schicksal des höhenkranken Pakistani wenig scherte. Dass jemand glauben konnte, Besseres zu tun zu haben als ein Leben zu retten, erfüllte ihn mit Zorn und Abscheu.
Gerfried Göschl war Abenteurer und Entdecker, neue Routen auszutüfteln und zu erforschen war seine Leidenschaft. Ein Gipfel die Krönung, aber nicht ausschließliche Begierde. Was ihn ganz oben mit Freude, Glück und auch Ehrfurcht durchströmte, war die grenzenlose Weite, der Blick ins Irgendwo, der nirgendwo hängen blieb. Derart beantwortete er einmal die Frage, wie es denn sei, dort, wo es nur ganz wenigen gegeben ist, jemals hin vorzudringen. Welche Umstände es waren, die für Gerfried Göschl, Cedric Hählen und Nisar Hussain zur Tragödie auf dem Hidden Peak führten, ist ungewiss, möglich, dass sich der Berg für immer in eisiges Schweigen hüllt.
Eines ist aber gewiss: Gerfried Göschl hätte sich mit seinen Kameraden nie sehenden Auges in Lebensgefahr begeben. Er hätte auch ein paar Meter vor dem Gipfel umgedreht, wäre ihm die Situation unkalkulierbar erschienen. Mehrfach hat er bewiesen, dass er Erfolg und Bestätigung - was auch immer das genau sein mag - nicht um jeden Preis sucht. Er wollte die Berge erleben.
Gerfried Göschl hat sich durch seine Leistungen als Alpinist verewigt. Seinen Wegbegleitern bleibt er als warmherziger, hilfsbereiter, bescheidener Mensch mit aufrechtem Gang in Erinnerung, vermutlich nicht wenigen auch als Vorbild. Es bleiben viele Freunde und Wegbegleiter, die mit seiner Familie trauern.
Features
Fakten
Gerfried Göschl, geb. 3. Oktober 1972 in Hall bei Admont. Diplompädagoge für Hauptschulen, Jugend- und Familienberater.
Verheiratet mit Heike, Töchter Hannah und Helena. Die Familie lebt in Liezen.
2005 bezwang er als erster Steirer den Mount Everest (8850 Meter) im Alleingang und ohne künstlichen Sauerstoff. Weitere 8000er-Gipfelsiege waren: Nanga Parbat (8125), Broad Peak (8047), Shishapangma (8027), Gasherbrum II (8035), Cho Oyu (8201).
Seit der Erdbebenkatastrophe in Kaschmir im Jahr 2005 engagierte sich der Obersteirer gemeinsam mit seinem Vater Rainer Göschl für soziale Hilfsprojekte in Pakistan.









