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Zuletzt aktualisiert: 02.01.2010 um 21:00 UhrKommentare

Chance Transitarbeit: von der Transitkraft zum Chef

Mehr als 3000 Steirer befanden sich im letzten Jahr in Transitarbeit. Ein Angebot, das auch zum beruflichen Aufstieg verhelfen kann.

Foto © Fuchs/sujet

Die Zahl der Arbeitslosen steigt - eine Hiobsbotschaft, die man eigentlich nicht mehr hören will. Vor allem dann, wenn man selbst in der Position des Arbeitssuchenden ist, der kaum Perspektiven zu haben scheint. 38 Beschäftigungsprojekte gibt es derzeit in der Steiermark, die Betroffenen einen Ausweg aufzeigen - der Name des Angebots: Transitarbeit. Bis zu neun Monaten bekommen Arbeitssuchende dabei nicht nur die Chance, in einem Betrieb Arbeitserfahrung zu sammeln. Sie werden auch sozialpädagogisch betreut, um weitere Interessen und mögliche Qualifizierungsangebote eruieren zu können. 993 Steirer befanden sich mit Ende November in einem solchen Arbeitsverhältnis - 505 Frauen und 488 Männer. Das macht 3000 Transitarbeitskräfte im Jahr, so die Zahlen des Arbeitsmarktservice Steiermark - eine Steigerung um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Und die Tätigkeit in Beschäftigungsprojekten - die ersten in der Steiermark entstanden in den 1980er Jahren - ist kein Zeitvertreib. Immer wieder nutzen Arbeitssuchende dieses Angebot als Sprungbrett für eine Karriere. Drei davon haben wir exemplarisch ausgewählt - um Hoffnung zu machen. Um zu zeigen, dass es einen Weg nach vorne gibt.

"Wichtig, dass man etwas zu tun hat"

Conrad Stachl (43) betreut den Kulturserver von Graz.

"120 Euro monatlich betrug meine Arbeitslosenunterstützung nach meinem Studienabbruch. Ich wehrte mich dagegen, auf das Sozialamt zu gehen, habe Kurse besucht, brauchte aber auch Geld, um meine Miete bezahlen zu können. Die Transitarbeitsstelle bei Kig (Kultur in Graz) war da genau das Richtige. Ich konnte mich mit Dingen auseinandersetzen, die mich ohnehin interessierten, und ich konnte arbeiten. Es geht einem psychisch einfach besser, wenn man etwas zu tun hat. In den Kursen trifft man ja nur auf Menschen, die in der gleichen misslichen Lage sind, wie man es auch selbst ist. Am Transitplatz hat man mit arbeitenden Menschen zu tun. Dass ich mittlerweile hauptberuflich am Kulturserver arbeiten kann, freut mich sehr."

"Eine unbezahlbare Chance"

Susanne Niebler (49) leitet das Museum in Großklein.

"Ich habe jahrelang in pflegenden Berufen gearbeitet. Aber irgendwann wird man von der Betreuungstätigkeit müde. Deshalb habe ich dieser Arbeit den Rücken zugekehrt. Fast zwei Jahre war ich danach arbeitslos, bevor der Betreuer des Arbeitsmarktservice mir eine Transitstelle im Museum Großklein angeboten hat. Eine unbezahlbare Chance, die auch meinem kulturellen Interesse entgegenkam. Es war nämlich gar nicht so einfach, etwas zu finden, immer habe ich knapp die Aufnahme für einen Job verpasst. Aber die Arbeit im Museum hat dann perfekt gepasst. Von Anfang an war ich allein verantwortlich für das Museum. Nach Jahren der Arbeitslosigkeit tut diese Verantwortung gut. Natürlich war es anfangs schwer, weil ich nicht wusste, was ich nach Ende der Transitzeit machen sollte. Dass ich dann fix die Leitung des Museums bekommen habe, hat mich sehr gefreut. Aber auch wenn das nicht geklappt hätte: Transitarbeit ist eine gute Sache, weil man viel praktische Erfahrung sammeln kann."

"Natürlich war es nicht der Traumjob"

Christian Rohrer (39), Geschäftsführer CUT Technik.

"Ich bin gelernter Forstarbeiter, habe aber bei diversen Firmen gearbeitet. Aber das war alles nicht das Richtige für mich. Nach Monaten der Arbeitslosigkeit war ich über die Chance der Transitarbeit bei der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft in Liezen sehr dankbar. Großteils wurde ich für Restaurationen zugeteilt. Zugegeben, es ist nicht gerade ein Traumjob, aber das Stempelngehen ist mir schon zum Hals rausgehangen. Und dann bekam ich die große Chance. Mein Betreuer erkannte meine Leidenschaft für den Metallbereich und ermöglichte mir eine Ausbildung zum Werkzeugmacher im Schulungszentrum Fohnsdorf. Langer Rede kurzer Sinn: Seit 2004 bin ich jetzt Teilhaber und Geschäftsführer - und damit sehr glücklich."

HEIKE KRUSCH

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