Anselm Kiefer: Jerusalem unterm Grimming
Ausstellungen, Bücher und ein Film zeigen Anselm Kiefer, 66, als Erfolgs-Alchimisten der Gegenwartskunst.

Foto © APAnselm Kiefer
Anselm Kiefer sieht sich gerne als Alchimist. Das Wunder der Verwandlung ist in seinem Werk allgegenwärtig. Und tatsächlich macht er aus unterschiedlichsten "billigen" Materialien Gold. Die Arbeiten aus der Reihe "Alkahest", die derzeit in den Salzburger Galerien von Thaddäus Ropac gezeigt werden, waren vor der Eröffnung verkauft. Bei Stückpreisen zwischen 200.000 und 900.000 Euro. Alkahest heißt übrigens jenes auch von Kiefer noch nicht gefundene Mittel, das jegliche Substanzen aufzulösen in der Lage sein soll.
Die Bilder, welche der 1945 geborene Beuys-Schüler bei Ropac zeigt, sind von Bergen inspiriert, nicht zuletzt vom Grimming. "Das himmlische Jerusalem", über dem das erwähnte Bergmassiv und eine Maschinenpistole schweben, "ist eigentlich Irdning" (Kiefer). Etwaige weltpolitische Hintergründe der Komposition verneint der Künstler. der 2008 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde. Als "lesender Künstler", dessen Werk ohne den Einfluss von Literatur (etwa der von Paul Celan und Ingeborg Bachmann) schwer denkbar wäre.
"die buchseiten draußen auf dem hof eingesammelt und betrachtet und gesehen, dass es gut war." Auch in den Notizbüchern Kiefers, deren Publikation nun mit Band 1 begonnen hat, stößt man immer wieder auf das Thema Buch. Als Träger für Ideen des Künstlers, als anregende Lektüre. Ebenso in den Gesprächen, die Klaus Dermutz im vergangenen Jahrzehnt mit Kiefer führte und die ebenfalls in Buchform vorliegen.
Gesamtkunstwerk
Geführt wurden etliche Gespräche in Barjac, wo Kiefer zwischen 1993 und 2008 in und unter der ehemaligen Seidenfabrik La Ribaute ein monumentales Gesamtkunstwerk schuf. Der mittlerweile nach Paris übersiedelte Künstler schenkte das Areal, das öffentlich zugänglich gemacht werden soll, Frankreich und Deutschland.
La Ribaute ist Hauptschauplatz von Sophie Fiennes Film "Over Your Cities Grass Will Grow". Zu Klängen u. a. von György Ligeti wandert die Kamera durch ober- und unterirdische Räume, belauscht Kiefer beim Gespräch mit Dermutz und zeigt ihn und seine Assistenten bei der aufwändigen Kunstproduktion.
Wasser und Salz prägen eine aktuelle Installation in Venedigs Fondazione Vedova. Bemalte und mit diversen Tinkturen behandelte, von den Wassern des Atlantiks bearbeitete Bleiplatten, formieren sich in ehemaligen Salzlagerhallen zu einer äußerst stimmungsvollen, für Kiefersche Verhältnisse nahezu subtilen Feier von Farbnuancen und Oberflächenstrukturen.
Anselm Kiefer. Notizbücher 1998/99. Suhrkamp. 26,90 Euro.
Klaus Dermutz. Die Kunst geht knapp nicht unter. Suhrkamp. 24,90 Euro.
Over Your Cities Grass Will Grow. DVD. Artificial Eye.
www.ropac.net
www.fondazionevedova.org







