Wenn die Fußball-Welt verkehrt ist
Damen CL-Sieger Turbine Potsdam unterlag Gebietsliga-Meister Haus im Ennstal 0:6. Trainer Schröder: "Ich versteh' die Welt nicht mehr. Aber nach dem harten Training waren meine Spielerinnen wohl einfach zu flach."

Foto © MandlGekämpft wurde um jeden Ball (rechts), nur auf der Bank gab es ein Lächeln für den Gegner: Potsdams Damen waren aber doch zu müde
Bernd Schröder kennt sich aus. Schließlich betreut er seit 40 Jahren den Fußball-Klub FFC Turbine Potsdam. Und der ist immerhin aktueller Sieger der Champions League. Warum das wenige wissen? Weil "FFC" für Frauen-Fußball-Club steht und Potsdam die aktuell beste Damen-Mannschaft Europas ist. Und nebenbei zur Zeit auf Trainingslager in Haus im Ennstal. Und so kam es zum Treffen zwischen dem ortsansässigen Unterligisten und dem Champions-League-Sieger aus Deutschland - mit einer klaren Ansage Schröders, als er erfuhr, in welcher Klasse die Hauser spielen: "Fünfte Klasse? Die hauen wir weg. Österreich sollte besser im Schisport bleiben", schmunzelte er.
Geschenke gab es keine
Und wirklich: Ganz sicher waren sich die Hauser Herren nicht; immerhin sollen die Gäste ja schon zwei Landesligisten klar besiegt haben, besagte ein Gerücht. "Schlecht werden sie nicht sein", mutmaßte einer - und vielleicht hatte sich der eine oder andere der 200 Zuschauer schon den Schmäh zurechtgelegt, mit dem man die Herren gehäkelt hätte, wenn. . . Ja, wenn die Fußball-Welt in Ordnung wäre. Das war sie aber nicht. Denn am Ende jubelte der Unterligist über ein 6:0 (3:0) - und darf sich nun "Champions-League-Sieger-Besieger" nennen.
Allerdings, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die Damen waren besser, technisch versierter, spielerisch überlegen. Aber Geschenke gab es keine: Deutsche Grätschen waren genauso an der Tagesordnung wie österreichischer Körpereinsatz. Von nobler Zurückhaltung der Männer - weil es "ja doch Frauen sind" - war nichts zu sehen. In einem Punkt erwiesen sich die Ennstaler als unüberwindbar: Die Abwehr stand, von Trainer Neven Dujmusic perfekt eingestellt, felsenfest, hielt den Angriffen stand. Und nach vor wurde perfekt gekontert. Da halfen auch die zur Pause eingewechselten, frischgebackenen U20-Weltmeisterinnen nicht - und Trainer Schröder schüttelte nur den Kopf: "Ich versteh' die Welt nicht mehr. Aber nach dem harten Training waren meine Spielerinnen wohl einfach zu flach."








