In Gaishorn in der Nacht um den Schlaf gebracht
Lauschangriff der Anrainer auf die örtliche Holzindustrie. Bei einer Halle wurden am Donnerstag um 23 Uhr 76,1 Dezibel gemessen.

Foto © PrivatDie Holz-Industrieanlage (Mayr Melnhof) bringt in Gaishorn die Anrainer um ihren Schlaf. Positiv: Der Vorstand selbst kümmert sich jetzt um das Problem
Die lärmgeplagten Anrainer der Gaishorner Holzindustrie baten zu nächtlicher Stunde zum "Lokalohrenschein", in der Runde auch ausgebildete Techniker samt geeichtem und kalibriertem Schallmessgerät. Das Hauptinteresse der Zusammenkunft Donnerstagnacht galt den Trockenkammern: Den Anrainern war erklärt worden, dass als eine Maßnahme zur Lärmreduzierung ab 22 Uhr die Drehzahl der Ventilatoren reduziert worden sei, die Betroffenen konnten allerdings keine Veränderung feststellen.
Draußen vor dem Werkszaun wartete am späten Donnerstag die Gruppe geduldig-gespannt, dass sich der Uhrzeiger auf 22 Uhr zubewegt und spitzte die Ohren. Verblüffendes Ergebnis: Fast mit dem Gongschlag zur vollen Stunde wurde das dumpfe Dauergeräusch tatsächlich schlagartig leiser - im kollektiven Empfinden der Anwesenden gab es hier keine Zweifel. Wenige Minuten später allerdings war das Geräusch plötzlich wieder so laut wie vor der kurzen Absenkung. Das Ergebnis der privaten Lärmmessung unterstrich den subjektiven Eindruck: Um 21.53 Uhr wurden 61,8 Dezibel gemessen, um 22.01 Uhr waren es 56,1, um 22.03 Uhr aber bereits wieder 60,2 Dezibel - um diesen Wert pendelte sich die Geräuschkulisse bei weiteren Messungen ein.
Halt gemacht wurde auf dem Rundgang auch bei der sogenannten BSP-Halle, in der Brettsperrholz erzeugt wird und die nach der Wahrnehmung der Bewohner eine weitere wesentliche Lärmquelle darstellt. Am Werkszaun wurden 76,1 Dezibel gemessen, "es dürften aber maximal 65 sein", erklärt ein Anrainer, der sich seit geraumer Zeit intensiv mit der Materie beschäftigt.
Dauerbelastung
Bei den Wohnhäusern herrscht nirgends nächtliche Stille, es liegt ein ständiges Brummen in der Luft, zuweilen leicht an- und abschwellend mit hochfrequenten Tönen, vereinzelt ist lautes Klatschen zu vernehmen. "Obwohl - heute ist es eh noch leise", meinten die Teilnehmer an dem Nachtspaziergang. An einem Haus werden immerhin knapp 50 Dezibel gemessen. Besonders belastend: Gefahren wird ein Dreischichtbetrieb, 365 Tage im Jahr.
Mittlerweile wurden Anlagenteile, konkret zwei Trockenkammern, im Nachhinein bau- und gewerberechtlich genehmigt, die Anrainer beriefen. Die Bewilligungen sind mit Auflagen zur Lärmreduktion verbunden, die Bewohner zweifeln aber, ob diese ausreichen und überhaupt konsequent durchgesetzt werden.
Einen Tag später, am Freitag, setzte vorsichtige Hoffnung ein: Vorstandsmitglied Anton De Menech stattete einem Anrainer seinen Besuch ab. Resümee: "Ich hatte das erste Mal den Eindruck, dass unsere Probleme ernst genommen und der tatsächliche Wille vorhanden ist, etwas zu tun, es wurden konkrete Schritte genannt."








