"Musikalisch bin ich ein Tyrann"
Fred Jaklitsch, 50, ist Mastermind der Seer. Gestern hatten sie in Grundlsee beim Open Air ihr großes Heimspiel. Der Chef über seinen Musikstil, das Liedertexten und warum er nie "Anton aus Tirol" spielen wird.

Foto © Die Seer
Sie singen von Herz, Schmerz und wilden Wassern, dass die Fans vor Rührung nasse Augen kriegen. "Trotzdem bin ich ein Tyrann, wenn es um das Musikalische geht. Zwar ein netter, aber ich habe das letzte Wort", lässt Seer-Mastermind Fred Jaklitsch keine Zweifel offen, wer in der neunköpfigen Kombo der Chef ist. Der 50-jährige Ausseer ist nicht nur Erfinder der Gruppe, sondern auch Komponist und Texter sämtlicher Lieder. Er hat einen ganz eigenen Stil entwickelt. Irgendwo zwischen Volksmusik, Pop, Rock, mit Elementen aus dem Hip-Hop und Reggae ist das "Seerische", wie er es nennt, angesiedelt. Mal wird gerappt, dann gejodelt, einmal Hü, dann wieder Hott. Das einzig Konstante bei den Seern: Sie singen nur im Dialekt. Das kann auch zu Missverständnissen führen. Etwa bei einem Konzert in Wien, als das Publikum bei dem Lied "Hob di stad, hob di stad" meinte, hier werde mit "hacknstad, hacknstad" die Arbeitslosigkeit besungen. Das sind dann aber doch Ausnahmen. Die meisten verstehen, worum es geht, sonst würden die Seer nicht so viele Tonträger verkaufen. Die aktuelle CD "Wohlgefühl" kletterte sofort auf Platz 1 der österreichischen Albumcharts. Fast alle ihre CDs haben Gold- oder Platinstatus.
Bunt gemischt
Begonnen hat jedoch alles ganz klein. 1996 fanden sich die Musiker aus verschiedenen Stilrichtungen zusammen. Jaklitsch hatte bereits eine musikalische Karriere hinter sich. Mit der Popgruppe "Joy" ("Touch by Touch") war der ursprüngliche Geschichtelehrer aus Bad Aussee bereits Nummer 1 in Österreich gewesen. Die anderen Steirer in der Gruppe, Jürgen Leitner aus Bad Mitterndorf und Friedrich "Spitz" Hampel aus Grundlsee, kamen von der echten Volksmusik. Auch die sechs anderen Bandmitglieder, die im Laufe der Jahre teilweise gewechselt haben, sind musikalisch bunt zusammengewürfelt. Von Anfang an hütete man sich jedoch vor Cover-Versionen. "Jedes Lied, jeder Text ist selbst komponiert und geschrieben. Das war zu Beginn auf der Bühne fast ein Hindernis. Es wäre leichter gewesen, mit internationalen Hits Stimmung zu machen. Aber wir wollten uns nie anbiedern", meint Jaklitsch. "Wir werden deshalb auch nie den ,Anton aus Tirol' spielen."
Mittlerweile erwartet so etwas von den Seern ohnehin niemand mehr. Die Fangemeinde ist riesengroß und reicht weit bis nach Bayern und in die Schweiz. Einmal im Jahr gibt es das große Familientreffen in Grundlsee. Das ist auch der Ort, dem die Gruppe ihren Namen verdankt. Beim Open Air gestern, dem "Woodstock der Alpen", kamen die rund 20.000 Fans voll auf ihre Kosten.
Features
DER OBER-SEER
Fred Jaklitsch wurde am 22. Jänner 1960 in Bad Aussee geboren. Er unterrichtete als Hauptschullehrer, hängte den Job aber zugunsten seiner großen Liebe, der Musik, bald an den Nagel.
Mitte der 1980er landete er mit der Popgruppe "Joy" und der Nummer "Touch by Touch" einen Nummer-Eins-Hit in Österreich. Die Gruppe tritt bis heute immer wieder auf, im Herbst gibt es sogar eine CD.
Jaklitsch ist verheiratet, wohnt in Bad Aussee und hat zwei Kinder im Alter von neun und elf Jahren.









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