"Wollen dem Toplitzsee die Mystik nehmen""
Durch die Kartierung des Toplitzsees wollen die Bundesforste die illegale Schatzsuche eindämmen. Nach der Absage des US-Tauchteams sucht man wieder jemand für den Job.

Foto © APAIn der Zeit des Nationalsozialismus soll ein Schatz im Toplitzsee versenkt worden sein
Wie die Motten das Licht zieht der sagenumwobene Toplitzsee die Schwarztaucher an. "Im See herrscht absolutes Tauchverbot, trotzdem haben wir jährlich über ein Dutzend illegaler Schatzsucher hier. An manchen Wochen ist es besonders schlimm", schildert Bernhard Schragl von den Bundesforsten, die Eigentümer des Sees sind. "Die meisten steigen irgendwo durch das Schilf in den See und zerstören dabei die wenigen Laichplätze der Fische."
Relativierung. Vor Ort relativiert man das ein wenig. Albrecht Syen, Wirt der Fischerhütte am Toplitzsee, meint: "Die Zeit der großen Schatzsucher ist eigentlich vorbei, es gibt in dem Bereich, wo Hobbytaucher etwas finden können, nichts mehr. Wenn, dann weiter unten und da muss man sich auskennen und genau Bescheid wissen."
Relikte. Unbestritten ist, dass Taucher nicht nur nach Gold suchen, das die Nazis den Juden gestohlen haben oder Listen mit Schweizer Bankkonten, die sich gerüchteweise im See befinden sollen. Es geht oft um viel profanere Dinge. Relikte aus der NS-Zeit mit dem Hakenkreuz oder anderen einschlägigen Symbolen sind in Sammlerkreisen äußerst gefragt.
In Verhandlung. "Um all diese Dinge aus der Welt zu schaffen und Klarheit zu erlangen, was wirklich noch unten ist, wollen wir den See untersuchen und kartieren", so Schragl. Seit fünf Jahren ist man mit dem Amerikaner Norman Scott in Verhandlungen. Immer wieder sagte er im letzten Moment ab, so auch dieser Tage wieder einmal. Die Finanzkrise soll seine Investoren verschreckt haben. "Wir werden uns jetzt in den nächsten Monaten überlegen, wer das sonst noch machen kann. Die Kartierung ist uns jedenfalls wichtig, damit der See zumindest ansatzweise seine Mystik verliert. Die Ergebnisse der Kartierung werden deshalb auch veröffentlicht und sind für jeden frei zugänglich."
Gestörtes Vertrauen.
Schragl will für die Kartierungsarbeiten kein Unternehmen ausschließen. Dennoch dürfte einer, der mit seinem U-Boot schon viel im Toplitzsee getaucht ist, keine guten Karten haben. Der Meeresbiologe Hans Frick hat sich offiziell in erster Linie aus biologischen Gründen für den See interessiert. Sein neues Buch "Mythos Toplitzsee - Tauchfahrt in die Vergangenheit" beschreibt hingegen überwiegend eine Schatzsuche nach anderen Dingen. Es gibt auch Passagen über gewisse Tauchvorgänge in dem Buch, die, so Schragl, "das Vertrauensverhältnis zu Herrn Frick nicht gerade erhöhen."
Gefälschte Banknoten. Tatsächlich gefunden hat man im See bisher vor allem gefälschte englische Pfundnoten, verschiedene Waffen und diverse Kriegsrelikte. Geborgen hat man vor einigen Jahren auch eine Kiste mit Bierdeckeln und abgenagten Knochen, die eine illustre Ausseer Runde mit dem Hinweis versenkt hat: das ist der wahre Schatz vom Toplitzsee.
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Kommentar
Fakten
Um den Toplitzsee rankt sich das Gerücht, zu Kriegsende seien dort Goldreserven des Dritten Reichs, Hinweise für Nummernkonten sowie Kunstgegenstände versenkt worden. Zahlreiche Tauchgänge fanden bisher nur Falschgeldkisten und Kriegsrelikte.








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