1000 Kilo Fisch auf Reisen
Stauraum in der Sölk muss gespült werden. Damit nicht eine ganze Fischpopulation stirbt, wurden Tausende Tiere übersiedelt.

Foto © PrivatDie größte Bachforelle aus dem Stau wog stattliche 6,5 Kilo bei 73 Zentimetern Länge und war dem kleinen Josef sichtlich nicht wirklich geheuer
Der Blick von der Staumauer in der Großsölk hat in diesen Tagen etwas Wüstes. Dort wo normalerweise eine riesige Wasserfläche glitzert, bahnt sich - flankiert schon Steinbrocken und Schlamm - ein schmales Wasserband seinen Weg Richtung Staumauer.
Tief unten, unweit des Mauerfußes liegt eine Plattform aus schwankenden Kunststoffwürfeln im Wasser - und auf der tut sich gerade bedeutend mehr als sonst. Eine Abordnung des Verbundes - unter anderem Betreiber des Kraftwerkes im Sölktal - ist da um sich vor Ort ein Bild von einem ziemlich außergewöhnlichen Fischzug zu machen.
Ungefähr alle zehn Jahre müssen die Schlammmassen per Grundspülung aus dem Stauraum befördert werden. Dazu wird der Grundablass am Fuß der Staumauer geöffnet und die Wassermassen spülen den Schlamm aus dem Becken. Ein Unterfangen, das für die gesamte Fischpopulation des Sees den sicheren Tod bedeuten würde. Fischereiexperte Volker Steiner vom Institut für Fischforschung in Innsbruck: "Vergangene Ereignisse haben gezeigt, dass so eine Spülung verheerende Auswirkungen hat." Entweder verenden die Fische im Schlamm des Staubeckens oder sie werden durch den Grundablass gerissen und sterben durch den Aufprall oder den enormen Wasserdruck.
In der Sölk hat man sich diesmal für einen wesentlich ökologischeren, wenn auch kostenintensiven Weg entschieden. Der Verbund Steiermark entschied im Vorstand vor der anstehenden Spülung eine groß angelegte Abfischaktion im Sölkstausee zu starten. Beauftragt wurde das Institut für Fischforschung von Volker Steiner, der mit seinem Team an die tausend Kilogramm Fische (hauptsächlich Bach- und Regenbogenforellen) aus dem abgesenkten Staubereich fischte. Der überwiegende Teil des Fanges wird per Spezial-Lkw nach Mondsee geliefert und dort in eigenen Becken bis nach der Stauraumspülung "beurlaubt" um später in den Stausee zurückgesetzt zu werden. Fische, die durch den Netzfang verletzt wurden, werden verwertet.
Anfang der Woche kam auch Siegfried Demel, Werksgruppenleiter im Verbund Steiermark und damit Chef von mehr als 40 steirischen Wasserkraftwerken in die Sölk und ließ sich von Volker Steiner die Details der Abfischaktion schildern. Kein Hehl machte Demel dabei aus der Tatsache, dass die ganze Aktion für den Verbund nicht gerade billig sei, wobei allerdings weniger das Abfischen selbst, sondern vielmehr der Produktionsausfall ins Gewicht fiele.
Dass trotz dieser Kosten der unzweifelhaft ökologischere Weg gewählt wurde, mag als erfreulicher Fingerzeig für einen künftig sensibleren Umgang der Kraftwerksbetreiber mit Natur und Ressourcen gelten.








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