Ein weiter Sprung zur Elite von Olympia
Warum die Staatsmeisterin London nur im TV sieht.
LEICHTATHLETIK. Muss man sich jetzt vorstellen, dass Michaela Egger, die frisch gebackene Staatsmeisterin im Weit- und Dreisprung, mit Cola und Chips vor dem Fernseher sitzt und bei den Leichtathletik-Bewerben der Olympischen Spiele vor sich hinknabbert? "Ungesund ernähre ich mich natürlich nicht. Aber es ist klar, dass ich besonders bei meinem Bewerben mitfiebere", lacht die Bad Ausseerin, die in Salzburg trainiert und arbeitet.
Mit 5,98 Metern im Weitsprung und 12,47 Metern im Dreisprung kam sie bei den Staatsmeisterschaften zwar nicht an ihre Bestmarken heran. Nach einer Sprunggelenksverletzung waren beide Titel dennoch eine freudige Überraschung.
Was fehlt?
Im Dreisprung von London setzte sich Olga Rypakowa mit 14,98 Metern vor Caterine Ibargüen (14,80) und Olga Saladuga (14,79) durch. Was fehlt Egger zur Weltspitze, die im Weitsprung knapp einen Meter und im Dreisprung zwei Meter weit entfernt ist? "Die Spitzenathletinnen sind alle Profis, ich gehe aber 40 Stunden arbeiten", erklärt Egger, die in der Raiffeisenzentrale in Salzburg angestellt ist.
Wobei es weniger um die Trainings-, als um die Regenerationszeiten geht. Egger trainiert nach der Arbeit täglich drei Stunden. Den optimalen Trainingsaufwand der Spitzenathletinnen schätzt sie auf "ebenfalls drei bis vier Stunden, also nur ein wenig mehr" ein. Aber: "Während ich im Büro sitze, wird bei den Profis alles getan, um Muskelaufbau und Regeneration zu optimieren, inklusive Massagen und Ruhephasen."
"Ungefähr 14 Meter", schätzt sie, "sind das absolute Limit, das man, ohne Profi zu sein, im Dreisprung erreichen kann. Und das wäre ein Traum von mir." Diese Marke wäre die Qualifikation für WM und Olympische Spiele. Dann müsste Egger nicht vor dem TV sitzen. . . GERHARD PLIEM
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