Nach dem Anschluss startete die Vertreibung
Auch im eigenwilligen Ausseerland tickten nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland im März 1938 die Uhren wie sonst überall: Für Juden wurde es eng.

Foto © APDie Arisierung machte auch nicht Halt vor dem Ausseerland
Am 17. März 1938 marschierten Deutsche Gebirgsjäger durch Bad Aussee - damit war das Nazi-Regime endgültig im Steirischen Salzkammergut angekommen. Eineinhalb Monate später kam das Ausseerland zum Gau Oberdonau und kurz darauf wurde in den Fremdenverkehrsgemeinden ein Aufenthaltsverbot für Juden und Jüdinnen erlassen.
Keine Vermietung an Juden. Die Kurkommission schreibt damals im Auftrag der Kreisleitung der NSDAP Bad Aussee: "...wird die Bevölkerung des Bezirkes Bad Aussee aufgefordert, unter keinen Umständen Wohnungen oder Zimmer an Juden zu vermieten. Mit Juden getätigte Abschlüsse für den heurigen Sommer sind rückgängig zu machen. Ebenso wurden bereits die nötigen Schritte eingeleitet, um den jüdischen Hausbesitz im Bezirke Bad Aussee der freihändigen Vermietung an Volksgenossen zu erschließen."
Jüdischer Friedhof. Dabei hatte gerade das Ausseerland bis dahin ein jüdisches Leben. "Vor allem in den Sommermonaten waren viele als Urlauber in der Region", heißt es in einer Festschrift des Ausseer Kammerhofmuseums. Bis heute gibt es - wenn auch in eher desolatem Zustand - einen eigenen jüdischen Friedhof in Bad Aussee.
Zwangsverkauf. Rund 60 Villen und Häuser mit jüdischen Besitzern dürfte es in dieser Zeit zwischen Altaussee und Bad Mitterndorf gegeben haben. Auch in Bad Ischl standen Dutzende jüdische Liegenschaften zum Zwangsverkauf. Im Bericht der Historikerkommissionder Republik heißt es, dass in Oberdonau 677 Liegenschaften als "jüdisches" Vermögen definiert wurden, davon befanden sich allein 209 im oberösterreichischen Teil des Salzkammerguts sowie im Ausseerland.
Salzkammergut-Erlass. Vorangetrieben wurde die Arisierung ab Mitte 1939 durch einen eigenen Salzkammergut-Erlass. Viele Immobilien standen wegen des Aufenhaltsverbots von Juden leer, man befürchtete zusätzliche Einbrüche im Fremdenverkehrsgeschäft. Daraufhin wurde die Vermögensverkehrsstelle vom Reichswirtschaftsministerium ermächtigt, Liegenschaften von Juden deutscher Staatsangehörigkeit, die nicht mehr bewohnt wurden, zu veräußern.
Gewinn. Laut Zeitgeschichte-Museum Ebensee standen allein in Bad Ischl und Bad Aussee 120 jüdische Liegenschaften zum Zwangsverkauf. Bei einem durchschnittlichen Reingewinn von rund 30.000 Reichsmark spülte das 3,6 Millionen in die Kassen.








