Der Jagl Poid und sein Traum von alten Zeiten
Mit dem Bauern- und Holzknechtmuseum im Jagl-Tenn in Obersdorf hat sich Manfred Seitner einen langersehnten Traum erfüllt.

Foto © StumfolDer Jagl Poid weiß nicht nur unzählige Geschichten, er hat auch als Darsteller alter Sitten und Bräuche Talent
Ein lang ersehnter Traum ist für den Bad Mittendorfer Manfred Seitner in Erfüllung gegangen. Im heurigen Sommer hat sein Bauern- und Holzknechtmuseum seine Türen für Neugierige geöffnet. In seiner ehemaligen Tenne sind zahlreiche althergebrachte Werkzeuge aus der Region Hinterberg ausgestellt. "Dadurch, dass ich Briefträger war, kenne ich viele Leute, die mir Schätze zur Verfügung gestellt haben. Ich durchstöbere aber auch diverse Floh- und Fetzenmärkte, wo man immer wieder etwas Kostbares findet", erklärt Manfred Seitner, der allgemein unter dem Namen Jagl Poid bekannt ist.
Bei freiem Eintritt findet man vom Buttermodel bis zum Fassbinderwerkzeug viele Kuriositäten, die und deren Bezeichnungen bei den jüngeren Generationen eher selten bekannt sind. Durch Interviews mit früheren Holzknechten und Bauern hat der leidenschaftliche Sammler viele Geschichten und Bildmaterial auf Lager, die einen Einblick in das Alltagsleben von damals geben. Zu jedem Utensil gibt es eine eigene Geschichte und zugleich eine Vorführung vom Museumsbesitzer selbst, wie es verwendet wurde.
Die Region lebte von diesen Berufssparten. In den 1920er- und 1930er-Jahren habe es etwa 160 Holzknechte in Hinterberg gegeben, meint der Experte. Die Saline in Bad Aussee brauchte viel Holz für die Sudpfannen, daher gab es eigene Kooperationen. "Das Holz wurde geschlägert, kam über Holzrutschen in das Tal, wurde mit Ochsenkarren zur Riedlbachklause in Heimreith gebracht und über den Wasserweg weitertransportiert", so Manfred Seitner.
Vom Sappel bis zum Muasa
Die typische Ausrüstung für einen Holzknecht bestand aus dem Wetterfleck, der Hacke, der Asthacke, einer Zugsäge, dem Sappel zum Ziehen, Keilen zur lebenswichtigen Klemmverhütung und dem Schöpser zum Entrinden. Da die Knechte meist acht Tage unterwegs waren und in sogenannten Holzknechtstuben im Wald die Nacht verbrachten, waren auch Utensilien zur Verköstigung lebensnotwendig, wie die Eisenpfanne für das Mehlkoch, das Nockerlbrett, ein Sieb und der Muasa (heute bekannt als Pfannenwender).
"Der Holzknecht hatte keinen leichten Beruf, manchmal kam es auch zu tödlichen Unfällen. Besonders im Winter war es hart. Einmal war die Schneedecke über 16 Meter hoch und es musste ein Tunnel durchgegraben werden, um zum Holz zu kommen", erzählt der gebürtige Obersdorfer.








