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Zuletzt aktualisiert: 21.08.2010 um 20:30 UhrKommentare

Gemeinden sind arm wie Kirchenmäuse

Admont hat jahrelang positiv gewirtschaftet. Jetzt schaltet man dort um 24 Uhr die Straßenbeleuchtung aus, hat alle Förderungen gestrichen und weiß immer noch nicht, ob es sich ausgeht.

Für uns ist das eine ganz neue Situation. Bis vor eineinhalb Jahren waren wir eine positive, solide Überschussgemeinde", erinnert sich der Admonter Bürgermeister Günther Posch zurück. Dann klaffte die Schere zwischen Ertragsanteilen und Kosten für den Sozialbereich immer weiter auseinander. Admont wurde - wie viele andere Kommunen - zu einer Abgangsgemeinde. Der Bürgermeister rief selbst die Aufsichtsbehörde an, man möge helfen, die Kostenstruktur zu durchleuchten. Das Ergebnis wird gerade umgesetzt: Ab 24 Uhr wird in Admont die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet und erst im Morgengrauen wieder aktiviert, alle Förderungen für soziale, kulturelle und sportliche Aktivitäten wurden auf null gestellt und Aufträge an heimische Gewerbebetriebe gestrichen.

Das Ausmaß nimmt fast skurrile Formen an: Für die traditionelle Ausflugsfahrt im Rahmen des Blumenschmuckwettbewerbes mussten alle Teilnehmer selbst in die Tasche greifen. Die Gemeinde hat nicht einmal - wie sonst üblich - die Kosten für die Busfahrt übernommen.

Dass Admont ein österreichweit bekanntes Kultur-Zentrum mit florierenden Wirtschaftsbetrieben und reichem Kloster ist, während sich die Gemeinde nicht einmal den Strom für die Straßenbeleuchtung leisten kann, nimmt Posch emotionslos zur Kenntnis. "Das sind zwei komplett verschiedene Kassen und das Stift macht seine Aufgabe wirtschaftlich sehr gut."

Das versucht auch er, wenngleich die Voraussetzungen nicht einfach sind. Er spricht von ständig höheren Sozialleistungen, die aber nicht für Not leidende Menschen sind. "In erster Linie ist es die Sozialbürokratie und die dazwischen angesiedelte, auswuchernde Betreuungsindustrie, die die Kosten in nicht mehr finanzierbare Höhen getrieben hat." Obwohl man spart, wo's geht, geht es sich nicht aus. "Auch heuer werden wir wieder einen Abgang von 120.000 bis 130.000 Euro haben", schätzt Posch.

Die Probleme, die er und damit auch viele andere Bürgermeister haben, können sie im Grunde nicht alleine lösen: "Wir brauchen eine Strukturreform, noch vor neuen Steuern", so Posch, der trotz allem die Krise auch als Chance begreift. "Nicht um Gemeinden zusammenzulegen, sondern um verstärkt zusammenzuarbeiten. Das bringt tatsächlich etwas."

Wie die Bürger den Sparkurs aufnehmen? "Sehr unterschiedlich, aber es gibt auch positive Reaktionen: Beim Blumenschmuck-Ausflug haben wir heuer doppelt so viele Teilnehmer wie sonst."

CHRISTIAN HUEMER

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