Die im Urlaub voll auf Risiko setzen
Wochenenden ohne blaue Flecken sind nicht mehr angesagt. Tausende Steirer suchen derzeit den Kick, den der Alltag nicht mehr bietet. Ein kalkuliertes Risiko?

Foto © Thomas PilchSehr gefragt: Nervenkitzel im Kletterpark
Für tausende Steirer gilt offenbar: Spaß macht, wovor man Bammel hat - ein Wochenende ohne Nervenkitzel ist verlorene Zeit.
Werner Berger von der Best Adventure Company (BAC) in Pruggern ist Profi auf dem Gebiet der Grenzerfahrung. Sein Ennstaler Unternehmen bietet seit zwanzig Jahren an, was dem Alltag fremd ist. Abenteuer und Adrenalinstöße. Dass die Nachfrage daran steigt, wundert ihn gar nicht: "Im heutigen Leben ist alles reglementiert, alles verboten. Niemand geht mehr aus sich heraus, man bewegt sich kaum, riskiert nie etwas." Das muss nachgeholt werden, am Wochenende, in kürzester Zeit.
Kletterpark.
Ins Ennstal kommen die Tagesgäste deshalb sogar aus Bayern und der Südsteiermark. 15.000 Leute pro Jahr. Noch einmal 25.000 amüsieren sich im familiengerechten Kletterpark - dort kann man auch die Kleinsten in Mini-Ausgaben von Flying Fox & Co beschäftigen und an den Nervenkitzel gewöhnen.
Der Wirtschaft ist dieser Trend zur Gefahr ein Graus. Dieser Tage wurde deshalb sogar laut über einen siebenprozentigen Aufschlag auf Sportartikel nachgedacht (wir berichteten). Jetzt kontert Johannes Schüssler, Gremialobmann des Sportartikelhandels, und nennt das "ein vollkommen falsches Signal". Er dreht den Spieß um: Nicht das Ausüben von Sport, sondern das Nicht-Ausüben führe zu enormem volkswirtschaftlichen Schaden.
566 Millionen Euro.
Schüssler beruft sich dabei auf eine Studie des Sozialministeriums aus dem Jahr 1999. 301,5 Millionen Euro kosten demnach die jährlichen Sportunfälle. Doch weil viele zu wenig Sport machen, verursache das Kosten von 566 Millionen Euro.
Fest steht jedenfalls, dass auch die Tourismusbranche die Gefahr liebt. Steiermark Tourismus-Chef Georg Bliem freut sich über die "super Ergänzung und das tolle Zusatzangebot für alle Leute, die bei uns Urlaub machen." Zwischen ein und fünf Prozent der Gäste urlauben übrigens extra wegen ihres Hangs zum Abenteuer im Land.
Features
Nervenkitzel
Die neueste Verrücktheit kommt aus den USA und nennt sich Flying Fox (Fliegender Fuchs): An ein Stahlseil angegurtet, wirft man sich zu zweit in eine Schlucht. Fast im freien Fall sind alle Ängste überwunden.
















