Grundlsee: Die Doppelrolle des neuen Bürgermeisters
Herbert Brandstätter, 49, wurde in Grundlsee zum Bürgermeister gewählt. Der im "Zivilberuf" oberste Polizist des Bezirkes über sein Zeitmanagement, die Finanzen der Gemeinde und wie er sie sanieren möchte.

Foto © Nora KanzlerDer schöne Grundlsee
Herr Brandstätter, Sie sind neben Ihrem Beruf als Polizeikommandant des Bezirkes nun auch Bürgermeister in Grundlsee. Warum tun Sie sich diese Doppelbelastung an?
HERBERT BRANDSTÄTTER: Ich habe auch schon während meines Berufes ein Studium abgeschlossen. Das war wie ein Ausgleich neben meinem Job, so etwas brauche ich. Ein anderer geht als Hobby auf die Jagd, ich mache eben den Bürgermeister in Grundlsee.
Gibt es da nicht eine zeitliche Unvereinbarkeit?
BRANDSTÄTTER: In der Regel nicht. Den Monatsdienstplan bei der Polizei mache ich im Voraus - da kann man ja bereits viel abfangen. Die Termine in der Gemeinde konzentrieren sich dann doch eher auf den Abend. Für besondere Überraschungen gibt es in unserem Dienstrecht auch eine stunden- bzw. tageweise Freistellung. Ich hoffe jedoch nicht, dass ich davon Gebrauch machen muss. Und natürlich habe ich auch die Unterstützung meiner Frau bei all den Vorhaben.
Haben Sie sich als Bürgermeister schon eingearbeitet?
BRANDSTÄTTER: Ich habe mir in der Startphase jetzt einmal zehn Tage Urlaub genommen und bis jetzt kann ich sagen: Je tiefer ich da hineinschaue, desto mehr sehe ich Handlungsbedarf. Ordnung in die Finanzen zu bringen, wird sicherlich die größte Herausforderung sein.
Fast alle Gemeinden jammern. Geht es Grundlsee wirklich so schlecht oder ist die Situation im üblichen Rahmen?
BRANDSTÄTTER: Wir haben einen Schuldenstand von rund 800.000 Euro, der Verschuldungsgrad liegt bei 16 Prozent. Die Gemeinde darf etwa ohne Zustimmung des Landes selbstständig keine Kredite mehr aufnehmen. Die Situation ist schon prekär.
Features
Zur Person
Politisch ist Brandstätter kein unbeschriebenes Blatt. Er war für die SPÖ im Jahr 2000 schon einmal im Grundlseer Gemeinderat, schied jedoch nach einem halben Jahr wieder aus. Er studierte dann am Universitätszentrum Rottenmann Geo-Informationstechnologie. Seit Anfang Mai ist er Bürgermeister von Grundlsee.
















