Blinde führen Gäste durch Pflanzenlabyrinth in steirischem Stift
"Unsichtbarer Garten" von Johannes Deutsch ist ab ersten Mai in Admont zu "besichtigen". Besucher mit Augenbinde begeben sich in Obhut von Sehbehinderten.

Foto © Stift Admont
Es ist stockdunkel und nichts zu sehen, rechts und links stößt man an Sträucher und Bäume - und der einzige, der einem helfen und einen Weg durch das Dickicht finden kann, ist ein Führer, der selbst sehbehindert oder blind ist. Auf ein solches Abenteuer können sich Besucher des obersteirischen Benediktinerstifts Admont ab der heurigen Ausstellungssaison einlassen. Dort hat der Künstler Johannes Deutsch einen "Unsichtbaren Garten" installiert. Das Projekt wurde am Freitag in einer Pressekonferenz in Graz vorgestellt.
Labyrinth. Eine Wand aus Fichten grenzt das rund 20 Meter lange und elf Meter breite Labyrinth am Areal des Stifts ein. Am Eingang muss der Besucher eine Augenbinde anlegen und begibt sich in Obhut eines Sehbehinderten oder Blinden auf eine Gartenwanderung - denn im Inneren des Gartens sind rund 18 verschiedene heimische Jungbäume und Sträucher gepflanzt. Zur Zeit wirken sie noch dürftig - in den kommenden Jahren sollen sie zu einem richtigen Dickicht anwachsen.
Dann beginnt das Abenteuer. Langsam und vorsichtig, in kleinen Schritten, arbeiten sich Führerin - die Grazerin Jasmin Treffer - und Gast vor. Es braucht schon Überwindung, sich einem sehbehinderten oder blinden Begleiter hin- und das vertraute Augenlicht kurzfristig aufzugeben. Alle Sinne sind alarmiert, jede kleine Unebenheit im Boden nimmt man plötzlich wahr und rätselt, worauf man gerade tritt. Im nächsten Moment streift ein harter Ast mit eckigen Knospen den rechten Arm und die Berührung klingt in der künstlichen Nacht laut und gefährlich. Ein Strauch auf der anderen Seite streckt seine Zweige von sich: Sie sind weich, ihre Früchte fühlen sich flauschig an.
Genuss. Langsam lockert sich mit der Zeit die klammernde Umarmung an die Führerin und man beginnt, das ungewohnte Dunkel zu genießen. "Es ist eine Herausforderung. In dem Fall sieht der Sehende weniger als ich", so Treffer bei der Pressekonferenz am Freitag. Man sei auf "Freude bis Panik-Attacken" der Gäste vorbereitet, so einer ihrer Kollegen.
Halbe Stunde. Das Stift leistet sich den Luxus von viel Zeit für das individuelle Erleben: Der Garten darf nicht in Gruppen und nur mit verbundenen Augen betreten werden, erklärte Deutsch, der den Garten als eine Art virtuelle Welt sieht. Bis zu einer halben Stunde ist für einen Besucher und seinen Führer reserviert. Deutsch hat zusammen mit dem blinden Wissenschafter Björn Einecke von der Uni Frankfurt und dem Stiftsgärtner Karl Amon die "Hör-, Riech- und Tastinvasion" eingerichtet.
Kunst begreifen. Zur "hautnahen" Kunsterfahrung lädt das Stift auch in seinem Inneren ein. Hier warten für Sehbehinderte und Blinde konzipierte und für Sehende mehrsinnlich wahrnehmbare "Made for Admont"-Werke zeitgenössischer Künstler, die förmlich danach verlangen, angefasst zu werden. Der Garten sei sozusagen das "Highlight", so Kurator Michael Braunsteiner am Freitag. Im Stift sei es gelungen, dass Kunstwerke für Blinde und Sehende gleichermaßen wahrgenommen werden könnten, meinte Kooperationspartner Mario Kowald vom Steirischen Blinden- und Sehbehindertenverband.
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"Unsichtbarer Garten", ab 1. Mai jeden Samstag gegen Anmeldung für Führungen im Benediktinerstift Admont zugänglich.














