Es wird scho glei' dumpa für Christbäume
Steirische Christbaum-Bauern sitzen schon auf Nadeln: Zur jetzt beginnenden "Erntezeit" ist es zu warm, im Frühjahr war es viel zu kalt. Im Gegensatz dazu droht europaweit eine Christbaumschwemme.

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Gottfried Fließer, Chef Forstgarten Pichling
"Der Importdruck nimmt wieder stark zu, diese Christbäume werden bei uns oft billig über Baumärkte verschleudert."
Die ersten Bäume fallen schon. Sechs Wochen vor Weihnachten starten auch die rund 350 steirischen Christbaum-Bauern dieser Tage in die Hochsaison. "Für Geschäfte, die die Bäume als Außendekoration nutzen, schneiden wir jetzt schon Christbäume um, ab nächste Woche geht's dann richtig los", kribbelt es schon bei Gottfried Fließer. Der frühere langjährige Obmann der steirischen Christbaumbauern betreibt hierzulande eine der größten Anlagen (15 Hektar) und erlebt wie seine Kollegen ein Jahr, das man nur so betiteln kann: Durchwachsen.
Während es im Frühjahr für viele Christbäume in spe viel zu kalt war, ist es jetzt für sie noch viel zu warm. Und das bleibt nicht ohne Folgen: Vor allem im Osten - in Niederösterreich, Burgenland, aber auch der Oststeiermark - hat der Spätfrost im Mai den frischen Trieben in den Christbaumkulturen arg zugesetzt.
Kein Engpass - im Gegenteil
Von einem daraus resultierenden Christbaum-Engpass samt explodierender Preise, wie mancherorts kolportiert, sei man jedoch weit entfernt, betont Fließer. Im Gegenteil: Ohne die Ausfälle, die für den Einzelbetrieb freilich schmerzhaft seien, "hätten wir heuer auch innerhalb Österreichs ein Jahr der Christbaumschwemme gehabt".
Denn einerseits ist Österreichs Christbaum-Anlagenfläche in den letzten Jahren stetig gestiegen (mehr als eine Million Christbäume pro Jahr stammen aus Niederösterreich und je 300.000 aus Oberösterreich und der Steiermark - Tendenz überall stark steigend). Somit könnte man die stagnierende Nachfrage in Österreich (2,5 Millionen Bäume pro Jahr) laut Landwirtschaftskammer bereits mühelos aus dem Inland abdecken.
Doch andererseits nehme heuer im Gegensatz zu den letzten Jahren auch der Importdruck wieder stark zu, sagt Fließer: "In Europas Hauptproduktionsland Dänemark steigen die Anbauflächen stark, diese Bäume werden oft billig bei uns über Baumärkte verschleudert."
Dazu kommt, dass zuletzt immer wieder ausländische Christbäume zu Unrecht "eingebürgert" und als österreichische verkauft wurden. Dem wollen heimische Christbaumbauern-Verbände nun mit einem Isotopen-Verfahren, das Rückschlüsse auf die Herkunft gibt, den Kampf ansagen.
Preisverfall & Ostfantasie
Dennoch: Der Höhepunkt der europaweiten Überproduktion sei noch nicht erreicht, "ein Preisverfall ist vorprogrammiert", so Fließer. Als Faustregel für den Preis gilt aktuell noch: 20 Euro je Meter Christbaum, bei schönen Bäumen und in Städten (wegen teurer Standmieten) dürfe es ein bisserl mehr sein.
Immer öfter hört man indes in der Branche, dass Exporte nach Osteuropa, wo der Christbaum auch immer beliebter wird, ein Ausweg aus der Überproduktion sein könnte. Fließer bezweifelt das: "Im Osten gibt es schon einen Markt, aber kein Geld. Einen Baum in unserem Preisniveau können oder wollen sich die Leute dort nicht leisten."
Mondchristbaum am 25. 11.
Zurück nach Österreich: Wer dem Mondkalender glauben schenkt, sollte sich den Sonntag, 25. November, vormerken. Laut Volksglauben halten Nadeln bei Bäumen, die drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres (28. November) gefällt werden, am längsten.
Viel wichtiger für die Haltbarkeit der Nadeln sei laut Fließer aber die Temperatur. Und die verheißen für heuer nichts Gutes, weil es jetzt zum Start der "Erntesaison" viel zu warm sei. "Wenn die Bäume vorher ordentlich Frost gespürt haben, bleiben sie am längsten frisch." Leider sei keine Kältewelle in Sicht. Somit gibt's die Gefahr, dass die Nadeln fast schneller fallen als die Bäume . . .
















