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Zuletzt aktualisiert: 03.09.2012 um 20:01 UhrKommentare

Ur-leiwand oder einfach nur haftig

Das Altausseer Bierzelt: Treffpunkt der Trachten und Dialekte, ein Ort mit eigenen Regeln und eigenem Feiertag.

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Quelle © ebenseer_kirtag_digi120902.jpg | Foto: KLZ Digital Höhepunkt: Die Ebenseer am Altausseer Kirtag

"Heast Deppata! Schleich dich von meinem Auto!" Der Ausseer, der nicht aus Böswilligkeit bei dem Edelboliden des Wiener Snobs angestreift ist, meint nur: "Wos wülst!" Dann fliegen die Fetzen. Es gibt sie noch, diese Szenen zwischen den Einheimischen und "Weana-Seern", wie die Gäste aus der Bundeshauptstadt im Ausseerland genannt werden. Der Altausseer Kirtag ist jedenfalls Anziehungspunkt für alle. Drei Tage dauert das Zeltfest, das mit 20.000 Besuchern zu den größten Österreichs gehört. Und es folgt ganz eigenen Regeln: Samstag dürfen sich die Wiener austoben. "Es ist ur-leiwand da", findet auch der Nachwuchs vieler honorigen Sommerfrischler. Die Altausseer, die das ganze Wochenende arbeiten, haben dafür den Montag angehängt. "Do feian mir, ubosch haftig g'schmoh", wie echt gemütlich feiern im Ausseer Dialekt heißt.

Der Hausherr und Chef des Kirtags, Feuerwehr-Kommandant Werner Fischer, sitzt entspannt in der Sonne. "Ganz so streng ist das mit den Tagen nicht mehr", schmunzelt er. "Das vermischt sich immer mehr. Aber der Montag ist bei uns wirklich wie ein Feiertag." In der Tat: Viele Betriebe machen an diesem Werktag kurzerhand den Laden dicht. "Wegen Brauchtumspflege geschlossen", heißt es in großen Schildern vor Gasthäusern, Hotels und sogar manchen Lebensmittelgeschäften quer durchs Ausseerland. Man trifft sich beim Kirtag.

Ohne Reservierung

Dorthin zieht es auch viele Prominente und Politiker. "Ich hab' die Erlaubnis von Werner Fischer, dass ich auch am Montag kommen darf", schmunzelt Hermann Schützenhöfer am Montag fast schuldbewusst. "Seit 1948 gehört das Ausseerland wieder zur Steiermark, und seither zahlen wir jährlich ziemlich viel Geld, damit sie nicht das Bundesland wechseln", witzelt der Landeshauptmann-Vize. Und obwohl man sich über den Besuch in Altaussee freut: Auch für ihn gibt's keine Extrawurst. "Ja das stimmt, wir reservieren für niemanden einen Platz im Zelt", bestätigt Fischer.

Egal ob Klaus Maria Brandauer, Hannes Androsch oder Hermann Maier - sie sind alle Stammgäste und haben doch keinen Stammtisch. "Bei uns sind alle gleich. Das gehört zu unserem Prinzip", stellt Fischer klar.

Dieser Gleichheitsgrundsatz ist Teil des Erfolgsrezeptes der Altausseer. Die zweite Säule ist die Tradition. Ohne Lederhose und Dirndl kommt kaum jemand ins Zelt. Auch am Ablauf haben die Altausseer, die das Fest heuer zum 52. Mal ausrichten, nichts geändert. "Es wird bei uns nie ein Hansi Hinterseer singen oder volkstümliche Musik gespielt. Und schon gar nicht aus Lautsprechern. Man muss sich im Zelt unterhalten können", erklärt Fischer die Grundlagen eines erfolgreichen Bierzelts.

Wie beim Oktoberfest

Dafür wird mehr getrunken. Und zwar soviel, wie kaum woanders. Gleich drei Braumeister von großen österreichischen Brauereien tummeln sich rund um Fischer. Knapp 700 50-Liter-Fässer braucht er in nur drei Tagen. Solche Kunden gibt es nicht viele im Land. Umgelegt auf die Sitzplätze fließt in Altaussee angeblich mehr Gerstensaft als beim Oktoberfest in München. "Die Rechnung hat ein Deutscher angestellt, also wird sie schon stimmen", meint Fischer.

Es geht ihm aber nicht um feucht-fröhliche Rekorde. "Wir wollen ein Herbstfest veranstalten, die Menschen sollen sich wohlfühlen." Der Vergleich mit dem Oktoberfest hinkt aus seiner Sicht mehrfach. "Uns geht's nicht um Kommerzialisierung, die Halbe kostet nur drei Euro. Unseren Gewinn stecken wir zur Gänze in die Feuerwehrausrüstung."

Fotoserie: Auf zum Altausseer Kirtag 2012

Fotoserie: Altausseer Kirtag: Fesche Madln und Buam

Fotoserie: Impressionen vom Altausseer Kirtag

Fotoserie: Altaussee: Rundgang durch den Kirtag

Fotoserie: Altausseer Kirtag: Die schönsten Trachten

CHRISTIAN HUEMER

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