Gäste werden immer "wetterfühliger"
Der verregnete Juli bescherte steirischem Tourismus ein Gästeminus, die aktuelle Hitzewelle sorgt für kurzfristigen Ansturm. Aber: Die Gäste sparen.

Foto © STEIERMARK TOURISMUSIn lichten Höhen bewegen sich zwar viele Urlauber, nicht aber die Umsätze der Gäste
An heißen Tagen wie diesen laufen auch die Telefone heiß: "In vielen steirischen Betrieben könnte man die Hotelbetten jetzt versteigern, so viele kurzfristige Urlaubsanfragen gibt es derzeit", berichtet Steiermark-Tourismuschef Georg Bliem. Der Nächtigungseinbruch Ende August (Ferienende in vielen Ländern) könne somit deutlich abgefedert werden. Auch Klaus Walcher vom Hotel aQi in Schladming bestätigt, dass die Sommerbuchungen immer stärker vom Wetter abhängig sind - was viele steirische Beherbergungsbetriebe vor allem im verregneten Juli zu spüren bekommen haben.
"Steht ihr unter Wasser?"
"Wir haben gesehen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen kann", so Bliem. Da auch im Ausland über die Unwetterkatastrophen in der Steiermark berichtet wurde, habe es massenweise Anrufe etwa aus Deutschland gegeben, mit der bangen Frage: "Steht unser Hotel auch unter Wasser?"
Die Folge: Erste Hochrechnungen deuten auf ein Nächtigungsminus zwischen zwei und drei Prozent im Juli hin. Die Ursache aber nur in der "Wetterfühligkeit" der Gäste zu suchen, ist Bliem zu wenig: "Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wir müssen analysieren, welche Gäste warum ausgeblieben sind." Trotz allem blieben die Deutschen und die Österreicher der Steiermark als Urlaubsland auch heuer treu, die Krise in Italien und Ungarn indes machte sich schon in der Reisefreudigkeit bemerkbar.
Doch auch bei jenen, die hier urlauben, sitzt der Euro nicht mehr so locker im Geldbörsel wie früher, zeigt ein Rundruf der Kleinen Zeitung unter steirischen Hoteliers. Laut Brigitte Knaus vom Ramsauer Hotel Matschner werde vor allem bei den Zusatzausgaben gespart, bei Adolf Lercher vom Hotel "Murauer Gasthof" sind vor allem "preiswertere Menüs begehrt", besonders drastisch stellt die Lage Heike Maul vom Thermenhotel Aldiana Salzkammergut dar: "Die Gäste geben vor Ort fast nur noch halb so viel aus wie im Jahr 2011."
Auch laut druckfrischer Reiseverkehrsstudie der Nationalbank lagen die Einnahmen in Österreichs Tourismus 2011 mit 14 Milliarden Euro noch immer um 400 Millionen Euro unter dem Wert von 2008 - trotz stetig steigender Nächtigungszahlen.
Ärger über Schleuderpreise
Dennoch stehen viele Hoteliers der Schleuderpreis-Taktik mancher Mitbewerber kritisch gegenüber. Wenn in Supermarkt-Prospekten drei Nächte Halbpension in Fünfsternehotels um 217 Euro angeboten werden, "braucht man sich nicht wundern, wenn niemand zu Normalpreisen bucht", ärgert sich Gerda Brandstätter vom Seehotel auf der Turracher Höhe. Im Gegenzug sieht Bliem - er ist nach der Ablöse von Ernst Trummer seit Juli auch Chef der Planai-Bahnen - bei den Preisen sogar noch "Luft nach oben", speziell im Vergleich mit dem Preisniveau in Salzburg oder Tirol. "Da braucht es mehr Mut. Die Gäste mögen uns ja, das sehen wir an den Nächtigungszahlen."
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Zitiert
"Aufgrund der großen Hitze kommen derzeit die Gäste sehr kurzfristig zu uns auf die Alm. Die Buchungslage ist sehr vielversprechend."
Theresia Pierer, Almwellness Hotel, Teichalm
"Wir sind sehr zufrieden, verzeichnen einen Zuwachs zum Vorjahr, auch für September sieht es gut aus. Aber die Gäste sparen bei Zusatzangeboten wie Beauty und Massage."
Gernot Deutsch, Quellenhotel/Heiltherme Bad Waltersdorf
"Die Sommersaison verläuft zögerlich, die Gäste buchen kürzer. Wenn man sich allerorts die Schleuderpreise ansieht, ist es kein Wunder, dass keiner zum Normalpreis bucht."
Gerda Brandstätter, Seehotel Jägerwirt, Turracher Höhe
"Mit dem August sind wir zufrieden, der September ist noch schlecht gebucht. Die Gäste sind deutlich sparsamer, sie geben fast nur noch halb so viel aus wie 2011."
Heike Maul, Thermenressort Aldiana, Salzkammergut

















