Olympia von der anderen Seite aus
Flo Gosch war als Athlet zwei Mal bei Olympischen Spielen. In London feiert er seine Premiere in anderer Funktion: als Marketingleiter des ÖOC und Chef des Österreich-Hauses.

Foto © GEPAFlorian Gosch mit Olympia-Maskottchen Wenlock - der Steirer ist in London Chef des "House Austria" und voll im Einsatz
Florian Gosch kann sich noch gut erinnern an seine ersten Olympischen Spiele 2004. Damals, in Athen, als er relativ kurzfristig nominiert worden war. "Olympia lässt einfach keinen kalt", sagt der ehemalige Weltklasse-Beachvolleyballer. Schon bei der Akkreditierung wurde er nervös, weil ihm erstmals die Ausmaße der Spiele so richtig ins Auge gestochen waren. "Es ist kein Turnier wie jedes andere, egal welche Sportart. Es ist die Inszenierung rund um Olympia, das Regelwerk, die Regulative. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat einen starken Plan gelegt - und der macht Olympia so speziell", sagt Gosch.
Ein Zauber, der den gebürtigen Wörschacher nie richtig losließ - und so war die Bewerbung beim Österreichischen Olympischen Komitee (ÖOC) mit Abschluss seines Betriebswirtschaft-Studiums fast vorgezeichnet. Und der Zuschlag war praktisch schon die nächste erfolgreiche Olympia-Qualifikation - immerhin wurde Gosch vor rund 16 Monaten im Zuge der Umstrukturierungen im ÖOC gleich zum Marketingleiter gemacht. Eine breit gefächerte Aufgabe, wie er weiß - denn über Arbeitsmangel kann er sich keineswegs beklagen: "Die Vorbereitung auf Olympia ist für mich definitiv intensiver als sie als Sportler jemals war!" Denn es gibt viele Bereiche, die abgedeckt werden müssen. Die Ausrüstung für die Sportler etwa. Und da sagt Gosch nicht ohne Stolz: "Es ist uns gelungen, erstmals in der Geschichte praktisch die gesamte Ausrüstung gesponsert zu bekommen. Gerade zehn Prozent musste das ÖOC dazu zahlen - und das bei einem Wert von 4000 Euro pro Athlet."
Das Österreich-Haus
Das Hauptaugenmerk liegt bei dem 1,96-Meter-Riesen aber seit geraumer Zeit woanders: dem Österreich-Haus in London und der Umsetzung von Marketing-Strategien. Seit Freitag ist er in London, um für den letzten Feinschliff zu sorgen. Den Aufbau besorgt eine Agentur, dann übernimmt Gosch mit seinem Team die Gesamtleitung des "Trinity House", das für die Dauer der Spiele offiziell "Austria House Tirol" heißt - weil die Tirol-Werbung ein großer Sponsor ist. "Unser Ziel ist es, das Österreich-Haus während der Spiele als Plattform zu nutzen. Als Ort der Begegnung zwischen Sponsoren, Athleten, Medien. Aber auch als Plattform nach außen für Österreich", erzählt Gosch. Erstmals etwa wird es auch eine "Public Area" geben, auch Touristen können dort ein Stück Österreich genießen. "Und weil wir nahe am Tower und damit nahe der meistfrequentierten U-Bahn-Station in London sind, versprechen wir uns schon viel Besuch", sagt Gosch, den die Begeisterung Olympia auch auf der "anderen Seite", nämlich der des Funktionärs, nicht losgelassen hat. "Es ist spannend zu sehen, was hinter der Marke Olympia steckt. Sich das ganze Wissen zu erarbeiten, die Handbücher des IOC zu lesen und zu verstehen, dieses Wissen auch anzuwenden", sagt Gosch. Die Karriere als Sportler war da kein Schaden: "Ich habe viel mitgenommen. Als Top-Sportler bist du Perfektionist, das ist mir geblieben. Und ich habe gelernt, strukturiert und fokussiert zu arbeiten, das ist mir auch geblieben." Und Gosch ergänzt: "Als Sportler bin ich immer an die Grenzen gegangen, habe sehr hart gearbeitet. Aber ehrlich: Im Moment arbeite ich noch härter."
Trotzdem versucht er sich Zeit für die Familie zu nehmen. "Wenn es sich ausgeht, bin ich am Wochenende mit meinen Kindern immer in der Steiermark", schmunzelt er. Und nach den Spielen, im August, gibt's wenigstens eine Woche Urlaub. Denn dann wartet schon das nächste Olympia-Kapitel. Sotschi 2014 . . .
















