"Wir fordern: Der Bär gehört weg!"
Dutzende tote Schafe, erboste Züchter und ratlose Experten: Das ist die Bilanz, nachdem sich Meister Petz zwei Wochen im Almgebiet von Donnersbachwald an Schafen gütlich tut. Der Unmut ist groß.

Foto © Christian HuemerIn Sicherheit: Reinhold Reith hat seine Tiere abgetrieben - 17 fehlen
Wie viele Bären es in Österreich gibt, lässt sich schwer sagen. "Die konkreten Schutzprogramme sind ausgelaufen, derzeit gehen wir etwa von fünf Stück aus", schätzt der steirische Bärenanwalt Georg Rauer. Sicher ist jedenfalls: Einer von ihnen ist in Donnersbachwald. Und er macht sich auf eine Weise bemerkbar, dass ihn viele gerne wieder los wären. Dutzende Schafe hat er in den vergangenen zwei Wochen gerissen. "Nicht einmal gefressen, sondern einfach mit der Pranke niedergestreckt - manche Tiere sind erst nach Stunden kläglich verendet. Ich züchte doch nicht Schafe, damit ein Raubtier an ihnen seinen Jagdtrieb ausleben kann", ärgert sich einer der Züchter. Viele von ihnen haben kleine Bestände, kennen ihre Tiere mit Namen. Zwar bekommen sie die toten Schafe ersetzt. "Das ist aber nur der Fleischpreis, etwa ein- bis zweihundert Euro. Wir haben jedoch prämierte Zuchtschafe darunter, die pro Stück mehrere Tausend Euro wert sind", erklärt Landwirt Franz Lackner.
Mittlerweile haben Bundeszuchtverband, Landwirtschaftskammer und Betroffene im Ennstal eine Krisensitzung abgehalten. Ihre einhellige Forderung: "Der Bär muss weg!" Kammer-Vizepräsident Johann Resch präzisiert: "Wir meinen damit nicht, dass er abgeschossen werden soll. Aber wir können so nicht wirtschaften. Jetzt wurden zwar alle Schafe von der Alm geholt, doch viele Jungrinder und auch Mutterkühe mit Kälbern sind noch oben. Das sind dann die nächsten Opfer."
Betäuben und aussetzen
Der Vorschlag lautet: Meister Petz betäuben, abtransportieren und woanders wieder aussetzen. Am Donnerstag hat man diesen Wunsch beim zuständigen Umwelt-Landesrat Gerhard Kurzmann und auch Landesrat Johann Seitinger deponiert. Er ist bekanntlich selbst Schafbauer. "Die Fachabteilung 13 prüft den Vorschlag, aber wenn es vom Bärenanwalt dazu ein positives Gutachten gibt, sieht es gut aus, dass diesem Wunsch rasch nachgekommen wird", hieß es aus dem Büro Kurzmann. Auch Seitinger unterstützt diesen Vorschlag. Allerdings: Der Bärenanwalt hält die Vorgangsweise für wenig sinnvoll (siehe Interview).
Bei dem Braunbären handelt es sich übrigens um ein sechs Jahre altes Männchen, das aus dem italienischen Trentino eingewandert ist und 2009 erstmals in Österreich wahrgenommen wurde. Es ist übrigens derselbe Bär, der in den vergangenen Monaten in den Bezirken Mürz- und Murtal knapp 20 Bienenstöcke geplündert hat. Als Problembär wie etwa Bruno gilt er (noch) nicht: Das wäre erst der Fall, wenn er zutraulich würde und in bewohntem Gebiet aufkreuzt.


















