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    Zuletzt aktualisiert: 27.06.2012 um 17:49 UhrKommentare

    Der Bär ist los: Ennstaler Bauern in Aufruhr

    In Donnersbachwald hat ein Bär mehrere Schafe gerissen. Die Züchter wollen am Mittwoch 350 Tiere von der Alm holen. Österreichs Bärenanwalt vor Ort.

    Franz Lackner zeigt auf das in 2000 Höhenmeter gelegene Almgebeit, wo der Bär schafe reißt

    Foto © HuemerFranz Lackner zeigt auf das in 2000 Höhenmeter gelegene Almgebeit, wo der Bär schafe reißt

    Auf unserer Alm sieht es aus wie auf einem Schlachthof. Der Bär ist offenbar im Paradies angekommen und holt sich ein Schaf nach dem anderen", ärgert sich Franz Lackner. Der Bauer, der die Tiere auf einer Alm in Donnersbachwald beaufsichtigt, hatte schon vor zwei Wochen Gerüchte gehört. "Da hab ich noch gedacht, man will mir einen Bären aufbinden." Doch spätestens seit Dienstag ist klar: Der Bär ist los. Und mindestens acht Tiere hat er schon gerissen. Wobei: Erst ein Drittel der weitläufigen Almfläche auf etwa 2000 Metern Seehöhe konnte abgegangen werden. "Wir haben nach einem gerissenen Schaf gesucht und dabei gleich sieben andere gefunden", bestätigt auch Georg Rauer, der als Österreichs Bärenanwalt einer der profundesten Kenner ist. Er war am Dienstag mit dem Grazer Wildökologen Andreas Kranz und einigen Schafzüchtern im Bereich des so genannten Hintermörsbach in Donnersbachwald unterwegs.

    Die Experten haben auch eine Vermutung, von wo der Bär kommt: "Der ist über den Schoberpass hergewandert und hat bisher vor allem Bienenstöcke geplündert." Genetische Abgleiche stehen noch aus. Man schätzt aber, dass es sich dabei um ein sechs Jahre altes Männchen handelt, das ursprünglich aus Trentino nach Österreich kam. "Er hat die Nummer KJ2G2", weiß Rauer.

    Weniger klar ist, wie man Meister Petz wieder los wird. Wobei: Wenn es nach den Züchtern geht, gehört das Tier betäubt und woanders wieder ausgesetzt. "Es kann ja nicht sein, dass wir jetzt Hunderte Schafe von der Alm holen, weil sich gerade ein Bär hier aufhält. Da stimmen doch die Relationen nicht", so Lackner.

    Zwar zahlt die Landesjägerschaft den Bauern Schadenersatz für jedes gerissene Tier. "Aber soll ich mir die ein- bis zweihundert Euro auf die Stallwand picken? Ich will ein Schaf haben, so wie ein anderer gerne einen Hund hat", gehen die Emotionen hoch. Und einer hat überhaupt eine andere Lösung: "Sie liegt hinten im Auto", spricht er sein Gewehr an.

    Schnellschüsse

    Für Rauer und Kranz sind das Schnellschüsse - im wahrsten Wortsinn - die nicht funktionieren. "Die Fauna- und Flora-Habitatrichtlinie schützt den Bären gegen einen Abschuss. Gerade dieser Bär legt sehr weite Strecken zurück - wer weiß, ist er in ein paar Tagen wieder weg."

    Das glauben die Bauern weniger. Auch aufgetriebene Rinder würden immer wieder ins Tal zurückkommen, weil sie den Bären spüren. Am Mittwoch will man gleich einmal 350 Schafe abtreiben. Rauer hat sich in Donnersbach schon ein Zimmer gebucht.

    CHRISTIAN HUEMER

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