Wilde Revolte gegen das neue Ausseer Bad
Gegen das neue Bad in Aussee gibt es ganz massiven Widerstand aus der Bevölkerung. Galionsfigur ist der Ausseer Unternehmer Matthias Grill, der zu einer Diskussion lud.

Foto © HuemerVP-Gemeinderätin Brandauer-Rastl erklärte: "Auch in der Gemeindestube erhalten wir keine detaillierten Infos." Viele zogen gegen das "Flugzeudeck", wie das Bad genannt wurde, rhetorisch ins Feld
Bei der offiziellen Präsentation des neuen "Narzissen-Bades" im Mai waren Fragen im offiziellen Teil ausdrücklich nicht erwünscht. Die Diskussion konnte man trotzdem nicht unterdrücken: Jetzt ist sie da - und das mit einer Wucht, die neu ist. "Wir brauchen dieses gestrandete Flugzeugdeck ganz sicher nicht bei uns auf dem Reiterer-Plateau", machten Anrainer ihrem Unmut Luft. Von Bürgermeister Otto Marl fühlt man sich am Schmäh gehalten. "Präsentiert wurden neben dem neuen Bad nur drei Appartementblöcke. Jetzt gibt es einen Plan, auf dem gleich 14 dieser massiven Gebäude eingezeichnet sind. So lassen wir uns die Landschaft ganz sicher nicht verschandeln!"
Als Galionsfigur des Widerstandes hat man Matthias Grill ausgemacht. Er hat mit einem kritischen Leserbrief eine Flut von Zuschriften ausgelöst, er möge den Kampf gegen dieses Projekt aufnehmen. "Ich habe mir gedacht, wir müssen eine Diskussion dazu veranstalten, weil es hier gewaltig gärt", so der studierte Veterinär, der einen Betrieb am Reiterer Plateau führt.
Flankiert von dem pensionierten ORF-Redakteur Thomas Fuhrman und Agraringenieur Peter Roschitz lud er spontan ins Cafe Rubenbauer ein: Knapp 100 Personen kamen. Vertreten waren dort alle politischen Farben, diverse Berufs- und Sozialschichten, in erster Linie Ein- aber auch Zweiheimische. So unterschiedlich die Zugänge und Lösungsvorschläge der Teilnehmer auch waren: Sie alle eint, dass sie dieses Projekt nicht mit dieser Optik auf diesem Platz umgesetzt haben wollen. Und der Zorn richtete sich auch gegen die Investoren.
"Man muss ganz ehrlich sagen: Die Gruppe rund um Immobilienmulti Reinhard Hohenberg finanziert sich das Bad über die Appartements. Das hätte die Stadtgemeinde selbst ja wohl auch zusammengebracht", lautet das Fazit. "Hohenberg ist ja nicht deppert, andere schon", polterte einer der Teilnehmer.
Keine Informationen
Grill versuchte die Diskussion immer wieder auf sachliches Niveau zurückzuführen. "Wir unterstellen niemand etwas, in vielen Bereichen wissen wir auch zu wenig." Damit ist er offenbar nicht allein. ÖVP-Gemeinderätin Helga Brandauer-Rastl erklärte dort etwa: "Auch wir als Gemeinderäte haben keine Informationen, wie das im Detail aussieht. Und wenn man nachfragt oder dagegenhält, bekommt man den Vorwurf, man würde die Sache blockieren. 200.000 Euro soll ich auf diese Weise der Gemeinde schon gekostet haben", so die kritische Mandatarin, die dort offen bekannte: "Ich kann den Kuschelkurs im Gemeinderat nicht mehr lange mittragen."
Eingeladen waren übrigens auch Bürgermeister Otto Marl, Vizebürgermeister Franz Frosch und andere Vertreter der Gemeinde. "Sie hatten offenbar keine Zeit", stellte Grill am Ende der Diskussion fest.
















