Die Grenzen der Physikstunde gesprengt
Die Formel: 18 Industriebetriebe plus 250 Schüler multipliziert mit Experimenten und Einblicken hinters Fabrikstor ist gleich: Faszination für Technik zum Quadrat.

Foto © JÜRGEN FUCHSDie Mission: Experimentieren in Industriebetrieben. Das Ziel: Begeisterung für technische Berufe wecken. Bei Schülerinnen des BORG Radkersburg ist das gelungen
Die Nachwuchs-Tüftler wussten es schon immer. Lego und Playmobil sind nicht nur zum Spielen da. Die Kunststoffteile zählen zu den Grundbausteinen einer späteren Technikerkarriere - und zu unverzichtbaren Zulieferteilen in steirischen Industriebetrieben. Zumindest wenn's darum geht, die in heimischen Fabrikshallen allgegenwärtigen Arbeitsprozesse nachzubilden.
Ob vollautomatische Holzsortieranlage von Mayr-Melnhof-Holz oder selbst gebautes Solarfahrzeug mit Magna E-Car Systems: Ohne Legoteile ging bei der "Faszination Technik Challenge" fast nichts. 250 steirische AHS-Schüler (samt lautstarkem Fan-Anhang) tüftelten dieser Tage gemeinsam mit heimischen Industriekapitänen an Experimenten und versuchten, die Grenzen der Physik - oder eher jene des Physikunterrichts - zu sprengen.
Hintergrund der Aufregung: 18 steirische Schulen zwischen Admont und Radkersburg haben sich im vergangenen Schuljahr jeweils mit einem Industriebetrieb in ihrer Region "verbandelt", Betriebsbesuche abgehalten, Arbeitsprozesse nachgestellt, Info-Folder produziert und nun für andere Schüler vorgestellt. Unter den Augen einer strengen Jury und vieler mitfiebernder Firmenchefs konnten die Schüler einmal selbst Druck ausüben - nur eben mit selbst gebauten Hydraulikzylindern oder Pneumatikkolben.
Ziel ist es, die Begeisterung der Jugendlichen für Technik (wieder) zu erwecken, sagen die Initiatoren der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, Stefan Pilz und Knill-Boss Christian Knill. Denn lange litt man darunter, dass die Industrie zu wenig in der Lebenswelt der Schüler vorkam.
Noch während der Präsentationen der Nachwuchstechniker kam Wirtschaftskammer-Boss Josef Herk zum ersten Befund: "So, wie sich die Schüler hier ins Zeug hauen, muss sich sowohl die steirische Wirtschaft als auch das Schauspielhaus um ihren Nachwuchs keine Sorgen machen."
Die seit fünf Jahren laufende Aktion, an der insgesamt schon 1035 Schüler und 94 Leitbetriebe teilgenommen haben, zeigt laut Pilz auch bereits Früchte: "Im Gegensatz zu anderen Branchen ist die Lehrlingszahl in den Industriebetrieben zuletzt gestiegen."
Features
FAKTEN
18 steirische AHS-Schulklassen schlossen sich mit folgenden Industriebetrieben zusammen: Alfred Wall, Andritz, Assmann, Austriamicrosystems, ELIN, Ennstal Milch, GF, Hiquel, Infineon, KLH, Krenhof, Magna, Mayr-Melnhof, Neuson, Rondo, Sandvik, Scheibelhofer und Seidel.

















