95 Euro für zwölf Tarifkilometer mit der ÖBB
Lehrling aus Rottenmann fuhr Umweg über Selzthal, weil Zug im Heimatbahnhof nicht hält. Dafür soll er eine saftige Strafe zahlen. Die ÖBB geben sich zugeknöpft, das Unternehmen kassiert und schweigt.

Foto © PLIEM Wer nach Rottenmann will, muss bei manchen Verbindungen einen Umweg über Selzthal in Kauf nehmen, weil IC-Züge nur mehr dort halten
Eine Zugfahrt von Graz nach Rottenmann im Jänner beschäftigt einen Lehrling bis heute: Der junge Mann pendelt zum Zweck des Besuches der Berufsschule zwischen der Landeshauptstadt und seinem Heimatort, dafür steht ihm ein Lehrlings-Freifahrtsausweis zur Verfügung. Das Problem: Die Intercity-Züge halten in Rottenmann nicht mehr, daher muss ein Umweg über Selzthal in Kauf genommen oder auf einen Zug gewartet werden, der den Zielbahnhof auf direktem Weg anfährt.
Da der Lehrling auch die Berufsreifeprüfung anstrebt und dafür die Abendschule in Rottenmann besucht, sei er auch auf Intercity-Verbindungen angewiesen, weil er es sonst von Graz aus nicht pünktlich zu Unterrichtsbeginn schaffen würde. "Ich habe mich damals, wie ich den Ausweis bei Mobil Zentral abgeholt habe, noch extra erkundigt, ob es ein Problem ist, wenn ich mit dem Ausweis nach Selzthal und wieder zurück nach Rottenmann fahre. Laut der Dame am Infoschalter hätte dies ohne Probleme möglich sein sollen", schildert der Betroffene. Am 13. Jänner wurde er aber eines anderen belehrt: Bei der Rückfahrt von Selzthal nach Rottenmann sei er von einem Schaffner kontrolliert worden, dann sei ihm ein Zahlschein über 95 Euro in die Hand gedrückt worden. "Bei Barzahlung wären es 65 Euro gewesen, aber der Zug war so kurz vor Rottenmann, dass sich dieser Vorgang nicht mehr ausgegangen ist." Er hätte wenigstens vor Ort zahlen können, aber der Schaffner sei "mit dem Ausweis für einige Zeit verschwunden" und erst kurz vor dem Halt wieder zurückgekehrt.
Wortkarge ÖBB
Noch am selben Abend wandte er sich schriftlich an die dafür zuständige Stelle der ÖBB - und erhielt drei Monate lang keine Antwort. "Ich dachte, die Sache ist vom Tisch. Aber Anfang April erhielt ich die Mitteilung, dass die Forderung korrekt gewesen sei und ich die 95 Euro bezahlen muss. Bei nicht sofortiger Einzahlung wurde mir mit dem Inkassobüro gedroht. Nach meinem Eindruck und Recherchen im Internet handelte es sich bei diesem Schreiben um eine Standard-Antwort der ÖBB." Besonders pikant: Im letzten Satz heißt es wörtlich: "Wir ersuchen Sie um Verständnis, dass es im Zusammenhang mit dieser Forderung seitens ÖBB-Personenverkehr AG keine weiteren Stellungnahmen geben wird."
Daran hielt man fest: Von den Österreichischen Bundesbahnen gab es dazu auch gegenüber der Kleinen Zeitung trotz mehrfacher Urgenz über mehrere Wochen und der Zusage, sich der Sache anzunehmen, keine Stellungnahme.
















