Größter Alpin-Friedhof im Gesäuse ist 200 Jahre alt
83 Verunglückte fanden in Johnsbach ihre letzte Ruhestätte. Zum Jubiläum am 13. Juni wird den Verstorbenen gedacht. Es gibt aber auch eine erfreuliche Bilanz: Seit Jänner 2008 musste kein Bergtoter im Gesäuse beklagt werden.

Foto © Scheriau
Inmitten der wildromantischen Bergwelt des Ennstaler Gesäuses liegt der Bergsteigerfriedhof von Johnsbach. Er erzählt als größter derartiger Gottesacker Österreichs von den Schattenseiten des Alpinismus: 83 Bergtouristen wurden hier begraben, die Gräber von 59 Verstorbenen sind noch erhalten. Anlässlich der ersten Erwähnung eines Bergtoten vor 200 Jahren findet kommenden Sonntag (13. Juni) ein Gedenken statt.
Der Friedhof des 200-Seelen-Bergortes Johnsbach war und ist ein kleiner Dorffriedhof. Mit dem Aufschwung des Alpinismus wurde er auch zur Ruhestätte verunglückter Bergtouristen. Gerade in den 1920er-Jahren, als die Berge des Gesäuses den Ehrentitel "Hochschule des Bergsteigens" verliehen bekamen, war der Blutzoll hoch. Wie der Historiker Josef Hasitschka schreibt, eroberte "die Wiener Kletterjugend in wildem Sturmlauf die Nordwände zwischen Planspitze und Ödstein". Diese Risikobereitschaft forderte viele Opfer: Nach dem Ersten Weltkrieg waren binnen zehn Jahren 28 frische Gräber hinzugekommen.
Fakten
Gedenkgottesdienst anl. 200 Jahre Bergsteigerfriedhof, Kirche Johnsbach, 13.6., 10.00 Uhr.
Am 12.6. Eröffnung Gsengschartenweg mit Wanderung zur Haindlkarhütte zum 50-Jahre-Jubiläum. Infos über den Tourismusverband Nationalpark Gesäuse, Tel. 03613/2116010, http://www.gesaeuse.at. Die Broschüre "Der Bergsteigerfriedhof in Johnsbach" von Josef Hasitschka ist 2009 in zweiter Auflage erschienen. Vom selben Autor erscheint demnächst das Buch "Der Ödstein".
Hasitschka hat die Schicksale der Abgestürzten, Verschütteten, Erschlagenen, Erfrorenen oder vom Blitz Getroffenen dokumentiert. Darunter finden sich besondere Tragödien wie jene von drei jungen Männern aus Wien und St. Valentin, die zu Ostern 1931 nach einem Schlechtwettereinbruch zwei Tage lang in der Südwand des Großen Bösenstein umherirrten. Als endlich - verzögert durch einen Lawinenabgang - Hilfe eintraf, waren zwei der Burschen bereits tot. Der dritte konnte sich ebenfalls aus Erschöpfung nicht mehr halten und stürzte vor den Augen der Retter ab. Der bekannteste hier zur letzten Ruhe Gebettete ist der Wiener Maler Gustav Jahn: Er fand 1919 als Vierzigjähriger mit einem Kameraden bei einem Absturz an der Ödsteinkante den Tod.
Der Johnsbacher Friedhof ist auch ein besondere Stätte der Funeralkultur: Die vorwiegend aus Wien sowie Graz und Linz stammenden Hinterbliebenen gestalteten die Gräber nach ihrem Geschmack, sodass die Anlage als Denkmal urbanen Kulturempfindens gilt. Ab den 1950er-Jahren wurden die Verunglückten immer häufiger in ihre Heimatorte überführt. Gerne berichtet Hasitschka vom positiven Trend, den er auf gut abgesicherte und beschriebene Routen, verbessertes Rettungswesen sowie mehr Augenmerk auf Vorbereitung und Training zurückführt: "Seit Jänner 2008 mussten wir keinen Bergtoten im Gesäuse beklagen."



















