"Hier im Tal helfen alle zusammen"
Im Triebental bei Hohentauern haben die Unwetter der Vorwoche besonders heftig gewütet. Die Folgen werden die Bewohner noch lange beschäftigen.
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Hohentauern, eine Woche nach der Katastrophe. Der Ortskern wirkt wie ausgestorben. Ab und zu verirren sich einige Lkw und Motorräder auf die Passhöhe. Und machen gleich wieder kehrt. Dass die Straße nach Trieben gesperrt ist, haben die zumeist ausländischen Lenker wohl nicht mitbekommen.
Hinein ins Triebental fährt ohnehin nur, wer unbedingt muss. Das sind rund 100 Bewohner und derzeit Dutzende Arbeiter mit Bagger und Lkw. Die Straße ist an mehreren Stellen unterspült, droht abzubrechen. An den Uferbäumen lehnt ein Blechknäuel, das einmal ein Dacia Duster war - eine Mure hat den in einer Zufahrt abgestellten Pkw wie ein Spielzeugauto mitgerissen.
Über dem Ort rattert pausenlos der Bundesheerhubschrauber. Ignaz Leitner vulgo Braun ignoriert ihn. "Die können da zehnmal drüberfliegen. Da herunten gibt's Leute, mit denen man auch reden könnte." Der Land- und Forstwirt ärgert sich über das seiner Meinung nach laxe Krisenmanagement. Als man vier Tage lang völlig abgeschnitten war, Telefon, Internet und alle Handynetze ausfielen, da hätte schon ein Funkgerät gereicht. "Wir konnten nicht einmal einen Notruf absetzen, wenn was passiert wäre", sagt Ehefrau Helene.
Die Fremdenbetten sind leer, die Gäste überstürzt abgereist oder erst gar nicht gekommen. Mehr trifft "Naz" aber der Schaden, den das Unwetter im Wald angerichtet hat. Zwölf Kilometer an Forststraßen sind weggespült - "nicht versicherbar", zuckt der bärtige Mann mit den Schultern. "Aber wir jammern nicht, sondern geben Gas. Wir sind hier im Tal in der glücklichen Lage, dass alle zusammenhelfen."
Das hätten die Betroffenen am liebsten schon am Abend des Unwetters getan, Geräte dazu wären vor Ort gewesen. "Aber wer haftet, wenn etwas passiert? Wir brauchen dazu eine Berechtigung. Das gehört dringend geregelt", fordert Leitner.
Ein paar Häuser weiter steht Gerald Stocker neben seinem zerstörten Lkw. Der Triebenbach hatte den Holztransporter einfach umgeworfen, als Stocker mit dem Greifarm Verklausungen beseitigen wollte. Um ein Haar hätte die talwärts schießende meterhohe Wand aus Wasser, Schlamm und Holz auch ihn erfasst, er konnte sich gerade noch über eine Felswand retten. "Sowas kannst du nicht beschreiben. Das kommt daher wie mit hundert Panzern", erinnert sich Stocker. Der Holzfuhrunternehmer beklagt nicht nur den Totalschaden an einem seiner beiden Lkw-Züge (Neupreis: 165.000 Euro), er rechnet auch mit 1000 Euro Umsatzverlust täglich. Sein größter Kunde kämpft selbst mit Unwetterschäden, sein Kleinkraftwerk steht vorerst still.
Und wie sein Nachbar fühlt sich Stocker von den öffentlichen Stellen im Stich gelassen. Etwa von der Wildbach- und Lawinenverbauung, die ihm sonst bei jeder Gelegenheit Vorschriften gemacht habe. "Wo sind die Herren jetzt?", fragt er.
Bürgermeister Heinz Wilding hält dagegen: "Das Land hat uns zu 150 Prozent unterstützt, besonders Geologe Marc-Andre Rapp. Er war Tage und Nächte nur für uns da." Doch für die Tourismusbetriebe im Sportdorf, wie sich Hohentauern bezeichnet, sieht Wilding schwarz. Die bereits dritte Sperre der B 114, ausgerechnet zu Beginn der Hauptsaison, könnte für viele das Aus bedeuten.
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Spenden für Hochwasseropfer
Die Sperre der Bundesstraße 114 zwischen Trieben und Hohentauern dürfte noch zwei Wochen andauern. Ein Hang droht abzurutschen, er soll jetzt mit Netzen gesichert werden. In Hohentauern sind rund zwei Drittel der Gemeindestraßen zerstört, viele Zufahrtswege und Forststraßen unpassierbar geworden.
Ein Spendenkonto wurde eingerichtet. Konto-Nr. 8.020.570, Raiffeisenbank Pölstal (BLZ 38076), Kennwort "Hochwasser Hohentauern."












