Eine Frau, die mit ihren Ziegen laibt und lebt
Die Vordernbergerin Roswitha Tscheliesnig ist kommenden Dienstag mit ihren Ziegen und Käseprodukten in Servus TV zu sehen.
Angefangen hat alles mit zwei Hobbyziegen. "Weil mich Ziegen einfach faszinieren", schwärmt Roswitha Tscheliesnig, von der gleichnamigen Hofkäserei in Vordernberg. Seit dem Jahr 2000 hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. "Ich habe Zuchtziegen gekauft, und heute habe ich 32 Milchziegen. Mit Anhang und Jungvieh sind es insgesamt 65 Ziegen", so Tscheliesnig. Ihr Ruf als Käserin hat bereits die Bezirksgrenzen überschritten. Und dieser Ruf wird bald noch lauter werden, denn kürzlich weilte ein Münchner Filmteam in Vordernberg, um Leben und Arbeit der 47-Jährigen ins Bild zu rücken. Am Dienstag, dem 31. August, um 19.45 Uhr wird sich im Rahmen der Sendereihe "Käse Laib Leben" im Servus TV alles um Tscheliesnigs Bergziegenkäse "Caprissimum" drehen. Auf sie aufmerksam geworden seien die Filmemacher durch die "Genussreich-Homepage". "Vier Tage waren die Filmleute da, und es war witzig und lustig, aber auch sehr anstrengend, weil man immer wieder die gleichen Szenen drehen muss und dabei ganz natürlich bleiben soll. Das war für mich eine Ausnahmesituation", erinnert sich Tscheliesnig. Mit dabei auch ihre beiden Kinder, Florian (8) und Martha (11).
Die Arbeit geht der Ziegen- und Käseexpertin nie aus. Ihr Tag beginnt um vier Uhr morgens und dauert an die 16 Stunden. Im Sommer hat sie Praktikanten, die mithelfen. "Sonst geht das nicht, denn das Käsen ist sehr aufwendig, und die Hygiene spielt eine große Rolle. Jetzt gerade hilft mir Maria aus Tirol, auf die ich mich voll verlassen kann", so Tscheliesnig. Die Ziegen müssen zweimal täglich gemolken werden und der Käse wird absolut in Handarbeit gefertigt. "Ganz nach alter Käsetradition mache ich den Caprissimum, einen Ziegenhartkäse, der mehrere Monate lang reifen muss, und den Leobner Hauskäse, ein Weichkäse mit Rotkultur." Vor allem um den Ziegenhartkäse ist ein Griss. "Da habe ich immer zu wenig. Mit dem Leobner Hauskäse ist es ist es schwieriger, weil die Österreicher keine Weichkäseesser sind", so Tscheliesnig.
Ambitioniert
Leben kann sie von ihren Ziegen und dem Käseverkauf ab Hof, auf Bauernmärkten, im Versand für den Käsefachhandel und die Gastronomie nicht. "Ich mache das im Nebenerwerb. Ein Vollerwerb ist für mich alleine zu viel. Dazu bräuchte ich 100 bis 150 Ziegen, aber vielleicht findet sich eine Lösung, dass noch ein Partner einsteigt", hofft die ambitionierte Vordernbergerin, die sich nicht als Aussteigerin sieht. "Ich mache diese Arbeit gern, weil ich auch so aufgewachsen bin. Meine Mutter war Bäuerin, und auch ich möchte meinen Kindern etwas Authentisches vermitteln", erklärt sie. Sie hat ein landwirtschaftliches Studium absolviert, dann im Naturschutz in Luxemburg gearbeitet und, bevor es sie nach Vordernberg verschlagen hat, war sie in Innsbruck am Agrarinstitut. "Schon während meines Studiums habe ich immer als Sennerin gearbeitet." Das Käsen hat sie nicht in Form einer Ausbildung gelernt. "Ich habe einfach probiert und genau gewusst, wie der Käse schmecken soll", so Tscheliesnig. Ihre Liebe zur Käserei verdankt sie einem Schlüsselerlebnis im Veneto, wo sie ein Ferienhaus hatte und exzellenten Käse genießen konnte.
"Ich habe gewusst: So einen Käse bekomme ich in Österreich nicht, daher muss ich ihn selbst machen". Mit der Zeit habe sie gemerkt, dass ihr Käse auch anderen gut schmeckt. Zum Käsen müsse man alle Sinne einschalten. Den Geschmacks- und Geruchssinn, aber auch die Sensorik in den Fingern.
Ihren Ziegen fühlt sie sich wesensverwandt, weil diese eigenständig und eigenwillig seien. "Sie sind täglich eine Herausforderung, weil sie aufgrund ihrer Intelligenz ständig versuchen, mich zu überlisten, und weil sie anspruchsvoll sind. Sie fressen nur das Feinste vom Feinen. Leider auch meine Rosen."







